Wie das Wort Flucht eine Jazzcombo beim Proben beflügelt

Es ging um einen großen, vielfach besetzten Begriff: die Flucht. Ein gut aufgelegtes Ensemble zeigte zum Auftakt der „Saarbrücker Herbstmusik“ in verblüffend vielen Facetten, was sich unter Flucht verstehen lässt.

"Flucht!" hieß es beim ersten Termin der "Saarbrücker Herbstmusik", des Epilogs zur "Saarbrücker Sommermusik 2016". Gewöhnlich schwingen bei dem - höchst aktuellen - Begriff Dramatik und Drastik mit. Die Performance am Donnerstag im gut besuchten Theater im Viertel (TiV) freilich kreiste im überwiegend augenzwinkernden Plauderton um verschiedene Aspekte von Flucht: Flucht ins Reflektieren, Flucht ins Abseits, Flucht vor der Flucht. Da wurde im Etymologie-Lexikon geblättert und Franz Kafka zitiert: "Nur weg von hier. Nur so kann ich mein Ziel erreichen."

Wohl um den Charakter des Improvisierten zu verstärken, spannte der sichtlich auch um ein paar dramatische Akzente bemühte Schauspieler Martin Huber (Text, Regie) die Musiker des Abends als Co-Mimen ein - kein schlechter Schachzug. Fiktiver Ausgangspunkt: die Probe einer Jazzcombo, in deren Verlauf die Idee zu einem Stück mit dem Titel "Flucht" keimt. Ein Konzept, das Manuel Krass (Klavier, Regie), Johannes Schmitz (Gitarre) und Daniel Weber (Schlagzeug) jazz-stilistische Freiheiten zwischen traditionellen Tönen und freier Improvisation gestattete.

Und der Video-Spezialist Krischan Kriesten konnte ebenso in stilvoller Stummfilm-Ästhetik schwelgen wie in grellen Videospiele-Bildern.

Letzteres passend zum Einsatz des Kinderdarstellers Benjamin Petzold. Unterm Strich war's eine kurzweilige Stunde mit einigen starken Momenten, die viele Fragen stellte und zum intellektuellen Nachglühen animierte. Eben das war das Ziel. Kräftiger Beifall der Herbstmusik-Gemeinde.

Nächster Termin der "Saarbrücker Herbstmusik" am Donnerstag, 24. November, 20 Uhr im Theater im Viertel (TiV) am Landwehrplatz: "Anselmus", eine Tanz-Klang-Theater-Performance nach E.T.A. Hoffmann. Eintritt frei.