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Wie Bürokratie die Arbeit in Pflegeheimen erschwert

Saarbrücken. Die Dokumentationspflicht koste viel Zeit, die bei den Heimbewohnern fehle, waren sich Ärzte und Pflegekräfte bei einer Fachtagung einig. Ein weiteres Problem sei, dass Pflegeheime keinen Vorrat an Medikamenten haben dürfen. Ute Kirch

Die Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften in Heimen muss besser, die Bürokratie in der Pflege reduziert werden. Das waren zentrale Forderungen der Teilnehmer der Veranstaltung "Probleme in der Versorgungsrealität", zu der der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) und die Kassenärztliche Vereinigung Saarland (KVS) eingeladen hatten.

"Die Delegation von ärztlicher Leistung auf die Pflegekräfte ist rechtlich nicht geregelt", sagte Oliver Wermann, Leitender Arzt des MDK im Bereich Pflege. "Die Abstimmung der Zuständigkeiten geht nur über die Rechtsprechung, die sich jedoch oft auf die Krankenhäuser bezieht, die sich von Pflegeheimen stark unterscheiden." Seit 1997 überprüft der MDK die Qualität in stationären Pflegeeinrichtungen.

Ärzte sollten die Erfahrungen der Pflegefachkräfte stärker berücksichtigen, forderte Torsten Schmittberger, Pflegedirektor bei der Arbeiterwohlfahrt. Oft würden Ärzte Termine nicht einhalten, kämen unangemeldet oder nach 21 Uhr, wenn nur der Nachtdienst da sei.

"Warum muss der Bedarf an Inkontinenzmaterial pro Patient jedes Quartal neu beantragt werden?", nannte die Tholeyer Hausärztin Margit Hasler-Hepp ein Beispiel für Bürokratie. Inkontinenz sei schließlich nicht heilbar. Durch die Benotungen der Heime durch den MDK sei das Personal verunsicherter als früher. Das teilweise überforderte Personal sichere sich durch Aktionismus ab und rufe öfter als nötig in den Praxen an.

Ein großes Problem sei auch, dass Pflegeheime über keinen Vorrat an Medikamenten verfügen dürften. "Schreibe ich nachts ein Rezept, stellt sich die Frage, wer es aus der Apotheke holt", sagte Hasler-Hepp. Gerade auf dem Land gebe es nachts keine Boten. Eine Lösung könnte sein, dass Ärzte in den Heimen einen Raum für Medikamente erhalten, zu dem das Pflegepersonal im Notfall Zugang hat.

Oft betreuten Ärzte nur sehr wenige Patientin pro Heim, sodass teilweise Häuser mit 60 Bewohnern mit 20 Praxen in Kontakt stünden. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVS, Joachim Meiser, plädierte für ein Modell, das die KVS umsetzen will. Statt wie bisher eine große Anzahl von Ärzten pro Pflegeheim zu haben, sollten sich etwa fünf Mediziner zusammentun, die gemeinsam ein Heim betreuen. Im Notfall sollten sie auch den Patienten eines Kollegen behandeln dürfen. "Die Mitbehandlung ist heute noch nicht erlaubt", sagte Meiser. Im Heim sollten ihnen feste Ansprechpartner zugeteilt werden. Regelmäßig sollten die sich in Team-Konferenzen austauschen. Selbstverständlich behalte jeder Heimbewohner das Recht auf die freie Arztwahl.