Werke an der Grenze des Lebens

Saarbrücken. Wer den Werdegang des Landesjugend-Symphonie-Orchesters-Saar (LJO) aufmerksam mitverfolgt, dem wird nicht entgangen sein, dass Leistungsbereitschaft und Innovationsdrang des 1982 gegründeten Nachwuchsensembles enorm zunehmen, seit Britta Lahnstein als künstlerische Leiterin am Ruder ist

Saarbrücken. Wer den Werdegang des Landesjugend-Symphonie-Orchesters-Saar (LJO) aufmerksam mitverfolgt, dem wird nicht entgangen sein, dass Leistungsbereitschaft und Innovationsdrang des 1982 gegründeten Nachwuchsensembles enorm zunehmen, seit Britta Lahnstein als künstlerische Leiterin am Ruder ist.

Lahnstein, die an der Hochschule für Musik Saar Fagott und Schulmusik studiert hat, weiß als ehemaliges LJO-Mitglied ganz genau, womit man junge Menschen packen kann.

Das Projekt der aktuellen Herbstarbeitsphase, die mit zwei Konzerten in der Saarbrücker Congresshalle und der Freien Waldorfschule Altenkessel am Wochenende zu Ende geht, fällt allerdings deutlich aus dem bisherigen Rahmen. Auch in der professionellen Klassik-Szene an der Saar hat es bislang nichts Vergleichbares gegeben. Denn auf dem Programm stehen mit Victor Ullmanns 2. Sinfonie und der dazu thematisch passenden Filmmusik zu "Schindlers Liste" Werke, die an der Grenze des Lebens komponiert wurden.

"Ich hatte schon länger die Idee, das Thema Holocaust mit Musik in Bezug zu setzen, damit junge Menschen einen ganz eigenen Zugang entwickeln können", sagt Britta Lahnstein. Geprobt wurde in Weimar, in unmittelbarer Nähe zum Konzentrationslager Buchenwald.

Zwei Lehrerkollegen nahm Lahnstein, die am Saarlouiser Robert-Schumann-Gymnasium unterrichtet, zusätzlich als Betreuer mit. Die Orchestermitglieder erhielten eine Sondererlaubnis, Fotoaufnahmen in der Gedenkstätte zu machen. Diese werden mit einem Beamer dann im ersten Konzertteil an die Wand projiziert.

"Der Orchesterklang hat sich nach dem Besuch in Buchenwald komplett gewandelt", bemerkt Lahnstein und erzählt von Emotionen, die beim Musizieren verarbeitet wurden, aber auch von einem tiefen Verständnis, warum Ullmanns Musik nur so und nicht anders geschrieben werden konnte. Damit Schulklassen das Konzert besuchen können, hat Lahnstein spezielle Unterrichtsmaterialien erstellt.

Der zweite Konzertteil soll mit zeitgenössischer jüdischer Musik einen Kontrapunkt der Lebensfreude setzen. Hierfür wird das LJO gemeinsam mit dem Ensemble Kol Simcha Klezmermusik zur Aufführung bringen. Die international bekannte Band ist irgendwo im Bereich zwischen Jazz, Weltmusik und den traditionellen Klängen der Juden Osteuropas anzusiedeln und kommt direkt von einem Auftritt in Hong Kong nach Saarbrücken. "Kol Simcha wollte unbedingt einmal mit einem Jugendorchester zusammenarbeiten, und wir haben den Zuschlag bekommen", freut sich Lahnstein.

25. Oktober, 20 Uhr, Konzert in der Congresshalle Saarbrücken. 26. Oktober, 19 Uhr, Konzert in der Freien Waldorfschule Altenkessel. Vorverkauf: SR am Markt, Tel. (0681) 93 69 90, und Musikhaus Arthur Knopp, Tel. (0681) 9 10 10-0.

www.kolsimcha.net