Wenn Youtube den Deutschkurs belebt

Handys und Tablets sind vom Alltag nicht mehr wegzudenken. Beide haben auch den Weg in manche Saarbrücker Klassenzimmer geschafft und werden in ganz unterschiedlichen Fächern genutzt.

Lange Zeit waren Handys in Schulklassen verpönt - als klingelnde Störer im Unterricht oder als Mittel zum möglichen Schummeln bei der Klassenarbeit. Nun drehen Lehrer den Spieß um und nutzen die internetfähigen Geräte für pädagogische Zwecke. Im Gymnasium am Schloss wird das Lernen mit mobilen Geräten in ein paar Fächern eingesetzt, in denen die Nutzung einen Mehrwert für den Unterricht darstellt. An der Marienschule nutzt Schulleiter Peter Jochum die Smartphones der Schüler im eigenen Deutsch- und Religion sunterricht. Damit können sich die Schüler bei selbst inszenierten Dramenszenen oder Bibliodrama filmen. Die Arbeit mit Tablets steckt dort noch in den Kinderschuhen: "Wir starten gerade einen Modellversuch im Bereich der Naturwissenschaften. Unsere Schüler nehmen am Wettbewerb ‚Ideen bewegen' teil. Sollte sich der Tablet-Einsatz bewähren, ist die Einrichtung einer Tablet-Klasse angedacht." Außerdem können die Schüler den Vertretungsplan als App auf Handy und Tablet installieren.

Ganz anders in der Gemeinschaftsschule Güdingen. Dort verweist Schulleiter Manfred Binkert auf die Tatsache, dass "nicht alle Schüler über Smartphones verfügen - im Übrigen auch nicht alle Lehrer". Deshalb würde man auf deren Nutzung im Unterricht verzichten. "Nach Rückfrage in den höheren Klassen werden sie nur genutzt, um Arbeitsblätter zu fotografieren oder um etwas über eine Suchmaschine zu recherchieren." Tablets werden in Güdingen nicht eingesetzt, dafür aber ein mobiler Laptop-Wagen.

"Laptops werden von den Schulen häufiger angefordert als Tablets", sagt Stefan Kiefer, Pressesprecher des Regionalverbandes, der als Träger für die Ausstattung der weiterführenden Schulen zuständig ist. 2014 seien 100 000 Euro für Laptops und Tablets in diesen Schulen ausgegeben worden. Am besten seien die Berufsschulen ausgerüstet - mit jeweils drei bis vier Tablets-Klassensätzen.

An den Günter-Wöhe-Schulen für Wirtschaft ist das pädagogische Netzwerk "LogoDidact" installiert, das ein WLAN-Netz für alle Schulräume beinhaltet. Laut Wolfgang Bröhl, Beauftragter für Medienpädagogik, wird mobile Technik in ziemlich jedem Fach benutzt, und Schüler werden auch ermutigt, die Neuen Medien als Ergänzung zum Unterricht zu nutzen. Zum Beispiel am Gymnasium im Fach Deutsch: "In der Oberstufe steht Goethes ‚Faust' auf dem Lehrplan. Die Lehrer empfehlen den Schülern ausdrücklich, sich die Youtube-Videos der verschiedenen Verfilmungen anzusehen."

Für Karin Bickelmann von der Landesmedienanstalt kann die Liste der Fächer noch weitergeführt werden, in denen Handys und Tablets sinnvoll eingebunden werden können. "Im Sport zum Beispiel ist es hilfreich, Übungen zu filmen, um eine Bewegungsanalyse durchzuführen. Manchmal sagen die Bilder mehr als wörtliche Erklärungen." Im mobilen Lernen stecke noch viel Potenzial und eine Bedrohung seien die Smartphones auch bei einer Klassenarbeit nicht: "Wenn Handys in den Klausuren zugelassen werden, sind die gestellten Aufgaben entsprechend schwer. Das heißt, nur die Schüler , die gelernt haben, zu recherchieren und zu analysieren, können sie richtig lösen."