Wenn sich Frau Backes auszieht

Über Frauen und Männer, Saarländer und Pfälzer und um die Weltpolitik geht es in Alice Hoffmanns Stück „Denk emol“. Es war Teil der Volkstheaterpremiere in der ehemaligen Becolin-Fabrik am Römerkastell.

Mit einem fulminanten Striptease wurde zum Abschluss der Volkstheaterpremiere "Denk emol" aus Vanessa Backes Alice Hoffmann: weg die Kittelschürze, die Mütz, die Hoor, die Schuh - mit langer Mähne und erheblich schlanker, kam die vielseitige Theaterfrau hervor und erläuterte ihren Volkstheaterplan.

Grundidee: "Es darf gelacht werden." Der Plan ist nicht neu, reanimiert wird er nun gemeinsam mit den jungen Veranstaltern von "C'est dur la culture", die mit dem Verein "Off space" leerstehende Gebäude kulturell nutzen wollen. Nicht als Hausbesetzer, die Gebäudeteile der alten Becolin-Fabrik am Römerkastell werden gemietet.

Wer dort über den Lyonerring hinfand und in dem stimmungsvoll beleuchteten Raum auf alten Kirchenbänken Platz nahm, bekam einen dramaturgisch ausgefeilten Rundgang durch Frau Backes' Lebens- und Denkwelt geboten. Frau Backes ist eine geschiedene Hausfrau fortgeschrittenen Alters. Den heimischen Kosmos von Mann (Sofa, Bierflasche) und Frau (Kittelschürze, Kloputzen) kennt sie ganz genau. Die Mann-Frau-Klischees amüsieren. Da Frau Backes in ihrer Einfalt spricht, bevor sie das richtige Wort gefunden hat, entsteht ganz elegant der Hoffmann'sche Hintersinn.

Bigamie sei in Deutschland verboten, hier herrsche in der Ehe das Gesetz der Monotonie. Kess lässt die vermeintlich prüde Hausfrau nichts aus und landet unter der Gürtellinie oder in der Weltpolitik. Der Irakkrieg von George "Dabbelju" Bush gibt ihr zu denken, "wie den Amis ihr Öl überhaupt in den Irak hineingekommen ist".

Alice Hoffmann hat ihre Vanessa Backes mit viel Charme ausgestattet und den Redefluss rasant durchkomponiert, sodass auch offensichtlichere Witze, wie zum Beispiel das Zitat der Kanzlerin, sie habe in der Frage des Kriegseinsatzes nur eine "Drohkulisse" aufbauen wollen, mit einem "so schlimm hat sie damals auch nicht ausgesehen" zu parieren, kurzweilig bleiben, und die etwas abgestandenen Saarländer-Pfälzer-Schmähungen wie frisch gestrichen wirken.

Volkstheater kann der Ort sein, wo Wahrheiten die Lachtränen in die Augen treiben, das nimmt dem Leben nicht den Ernst, aber vielleicht ein paar Stunden die Schwere.

Im Saarland gebe es genug dialektfähige Profischauspieler, um viele Komödien auf die Bühne zu bringen. Bereits geplant ist als echtes Bühnenstück "Blind Date" von Alice Hoffmann und Detlev Schönauer sowie eine Wiederholung des "Denk emol" Abends am 22. September.