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Wenn Patienten völlig hilflos sind

Die Medizin-Technik ist ein wichtiger Teil seines Berufes: Stephan Hayer an seinem Arbeitsplatz auf der Intensivstation des Klinikums Saarbrücken auf dem Winterberg. Foto: Iris Maurer
Die Medizin-Technik ist ein wichtiger Teil seines Berufes: Stephan Hayer an seinem Arbeitsplatz auf der Intensivstation des Klinikums Saarbrücken auf dem Winterberg. Foto: Iris Maurer FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. Wer denkt schon gern ans Krankenhaus – solange er gesund ist? Hauptsache, das Krankenhaus ist da, und wir fühlen uns sicher, weil für den Notfall alles bereitsteht: Geräte und vor allem hilfsbereite Menschen. Genau um diese Menschen geht es in unserer Serie „Arbeitsplatz Krankenhaus“. Wir stellen die vor, die uns helfen, falls uns das Glück verlässt. Heute: Stephan Hayer Gerrit Scherer

Stephan Hayer sieht auf den ersten Blick nicht aus wie ein Krankenpfleger. Deren Kleidung besteht aus weißen Schuhen, weißer Hose und weißem T-Shirt. Hayers Arbeitskleidung hingegen ist blau. Denn er arbeitet auf der Intensivstation (ITS) des Winterbergklinikums, und dort läuft vieles anders als auf den restlichen Stationen.


Auf der ITS sorgt er für Patienten , die so schwer krank sind, dass ihr Zustand ständig überwacht werden muss. "Zu uns kommen Menschen nach schweren Unfällen, Operationen oder Ereignissen wie einem Herzinfarkt. Da ist die Lage oft kritisch", sagt Stephan Hayer.

Viele werden dort auch einfach nach größeren Operationen beobachtet. Daher ist die Zeit, die Patienten auf der ITS verbringen, ganz unterschiedlich. "Die längste Zeit, die mal ein Patient hier war, waren zweieinhalb Jahre. Aber das ist natürlich eine absolute Ausnahme", berichtet Hayer. "Die meisten Patienten sind nicht ansprechbar", erklärt er den größten Unterschied zur Normalstation.



Sie können also nicht sagen, wenn sie Schmerzen haben oder etwas brauchen. Ein Intensivpfleger muss deshalb anders herausfinden, wie es dem Patienten geht und was ihm fehlt. "Die genaue Beobachtung ist bei uns extrem wichtig. Wir müssen auch ohne Worte kommunizieren können", stellt Hayer klar. Aber ohne professionelle Distanz zu den Patienten wäre die Arbeit nicht möglich, meint Hayer: "Trotzdem nehme ich von den Schicksalen auch mal was mit nach Hause."

Dann sei seine Familie eine große Stütze. Weil Hayers Frau und seine älteste Tochter auch im medizinischen Bereich tätig sind, haben sie viel Verständnis für das, was Hayer beschäftigt. "Durch den Schichtdienst und Vertretungen, wenn zum Beispiel Kollegen krank sind, ist die Zeit mit der Familie aber sehr begrenzt", bedauert Hayer. Auf der Arbeit ist er ganz für die Patienten da.

Er wäscht und lagert sie, wechselt Verbände und Infusionen, erstellt aber auch 24-Stunden-Protokolle über ihren Zustand und stellt die medizinischen Geräte richtig ein. Viele der Patienten werden künstlich beatmet.

Auch deshalb braucht Hayer für seine Arbeit auf der ITS eine zweijährige Zusatzausbildung zum Intensivpfleger. Dabei muss er immer auf dem neusten Stand bleiben. Gerade in den letzten Jahren habe sich technisch viel getan, erzählt Hayer: "Heute gibt es ganz andere therapeutische Möglichkeiten als vor fünfzehn Jahren."

Die seien oft ein Segen für die Patienten , kosteten aber auch mehr Zeit und Personal. "Wir haben heute mehr Patienten als früher, und sie sind kränker. Gleichzeitig wird immer mehr Personal abgebaut", klagt Hayer. Nach 36 Jahren im Beruf fühle er sich manchmal ziemlich ausgelaugt: "Von der Politik wünsche ich mir deutlich mehr Wertschätzung für unsere Arbeit."

Das Klinikum hingegen, so betont Hayer, tue viel für die Belegschaft: "Es gibt sogar ein Mitarbeiter-Telefon, das wir in besonders belastenden Situationen anrufen können."

Stephan Hayer macht weiter, damit seine Patienten schnell zu den Pflegern in Weiß wechseln können: "Dann ist der erste Schritt geschafft und mein Ziel erreicht."