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Wenn Mädchen davon träumen, einen Dschihad-Ritter zu ergattern

Wenn Mädchen davon träumen, einen Dschihad-Ritter zu ergattern

Etwa zehn Salafisten im Saarland hätten ein ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt. Nach Syrien oder in den Irak zum Kampfeinsatz für den Islamischen Staat sei noch kein Saarländer gegangen: Diese Informationen gab Saar-Verfassungsschutzchef Helmut Albert bei einer Podiumsdiskussion.

. Nach den aktuellen Terroranschlägen in Paris hat die seit längerem vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien geplante Podiumsdiskussion zum Thema "Salafismus - eine Herausforderung auch für das Saarland?" am Montagabend im Saarbrücker Hotel Leidinger eine unerhörte Brisanz erhalten. ARD-Extremismus-Experte Ahmet Senyurt, Saar-Verfassungsschutz-Direktor Helmut Albert und Markus Schneider (Islam-Experte der Asko-Europa-Stiftung) sprachen unter Leitung von Thomas Bimesdörfer (SR 2) fast zwei Stunden lang über die Beweggründe, warum junge Europäer der radikalsten Islam-Strömung, dem Salafismus , beitreten.

"Die Moschee des Salafismus ist das Internet", erklärte Senyurt. Er beschrieb seine jüngsten Recherchen, wonach eine 19-jährige Oberhausenerin einen Tag nach den Pariser Terroranschlägen eine Whatsapp-Gruppe gegründet habe, der sich unter anderen zwei 14-jährige Mädchen aus dem Ruhrgebiet angeschlossen hätten. "Die eine der beiden konnte gerade noch an der Ausreise gen Syrien gehindert werden", sagte Senyurt.

Verfassungsschutzchef Albert erklärte, dass es neben dem religiösen Hintergrund für "Mädels und Jungs" weitere Gründe gebe, sich auf den Weg zu den Kämpfern des Islamischen Staats (IS) in Syrien und dem Irak zu begegeben. "Bei den Mädels ist es ein romantisches Bild, in Syrien einen solchen Prinzen, einen Ritter des Dschihad abzubekommen. Den man über das Internet kennen lernt, zu dem man dann ziehen und den man dann heiraten will", sagte Albert. Bei den Jungen sei es ein Testosteron-gesteuertes Weltbild. "Man macht hier Ballerspiele am Computer. Beim IS sieht man, dass man es mit einer richtigen Kalaschnikow machen kann."

Im Saarland werden nach Alberts Angaben derzeit 100 Salafisten von seinem Dienst beobachtet, von denen etwa zehn ein nicht ganz geklärtes Verhältnis zur Gewalt hätten. Noch kein Saarländer habe sich in Syrien oder dem Irak dem IS angeschlossen. Senyurt kritisierte die deutsche Politik, die der sozialen Jugendarbeit Mittel gekürzt habe. "Wenn wir uns nicht engagieren, verlieren wir die jungen Leute", betonte Senyurt. Islam-Experte Schneider sagte, viele Jugendliche wollten mit Käppchen, langen Bärten und Gewändern nur "spielen", seien aber nicht gewaltbereit. "Viel reden, genau hinhören, nachfragen", sei das Gegenmittel. Am Ende sagte ein Bürger, dass viele seiner Bekannten aus Angst vor Attentaten den Besuch von Weihnachtsmärkten in Frage stellten. Dazu sagte Albert: "Wenn sie zum Weihnachtsmarkt wollen und kommen mit dem Auto dort an, haben sie den gefährlichsten Teil schon hinter sich." Es gebe in Deutschland jedes Jahre mehr als 3000 Verkehrstote - viel mehr Tote als bei allen Anschlägen zusammen.