Wenn Kunst zum Volksfest wird

Eigentlich war das Kunstprojekt „Light-Act“ als meditative Aktion gedacht. Doch dann herrschte bei Dunkelheit rund um die illuminierte Berliner Promenade eine Stimmung wie bei einem Volksfest.

Es schien, als habe ganz Saarbrücken auf dieses Event gewartet. Tausende von Menschen säumten am Freitagabend die Brücken, das Saarufer und die Saaruferstraße, um die mit Licht-Malerei verzauberten Fassaden der Berliner Promenade zu sehen. Nicht nur auffällig viele junge Leute in Cliquen zog es zum "Light-Act" der Hochschule der bildenden Künste (HBK). Auch ganze Großfamilien samt Opa und Kleinkind im Wagen standen ab Einbruch der Dunkelheit in Dreierreihen auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke und verfolgten die ständig wechselnden Linien- und Farbmuster, die die Künstler mit sieben Super-Projektoren über die Hauswände schickten.

Jens Kreber (18) aus Saarbrücken, der sich, so sein Vater, sonst eher für Technik als für Kunst interessiert, war besonders beeindruckt von der Exaktheit, mit der die Macher ihre Lichter auf die Strukturen der Fenster und Fassadenelemente zugeschnitten hatten. Mit dieser Vorliebe stand Kreber nicht allein da: Männer begeisterten sich vor allem für geometrische Muster, weniger für organische, weiche Formen und Wellen. Vielleicht nicht zufällig: Erstere hatten männliche Künstler, zweitere weibliche kreiert, wie einer der beteiligten Kunststudenten der SZ verriet. Die meisten Zuschauer, zeigte eine Umfrage, mochten's außerdem "möglichst bunt".

"Weißes Licht gibt es doch immer", erklärte Peter Seegmüller (31) Event-Fotograf aus Nalbach-Körprich, einer von unzähligen, die ihre Stative am Saarufer postiert hatten. Dazwischen hatten es sich junge Leute auf dem schmalen Rasen mit Getränken wie beim Rockkonzert gemütlich gemacht.

Hatte die HBK-Projektgruppe unter Leitung von Professor Daniel Hausig doch eine eher stille, meditative Kunstaktion im Sinn, machte sich überall Volksfeststimmung breit. "Ich finde es super, aber es fehlt noch Musik, und Wasserspiele hätte man auch noch machen können", meinte etwa eine slowakische Studentin der Saar-Uni. In anderen Städten wie Straßburg und Wiesbaden, war sie sich mit einer Kommilitonin einig, gäbe es solche Stadtveranstaltungen viel öfter. Mehr davon wünschen sie sich auch in Saarbrücken: "Denn das hebt die Lebensqualität."