„Wenn Illinge kä Paschdor hätt“

Mundartbühne Illingen präsentiert in ihrer diesjährigen Frühjahrsaufführung den Dreiakter „Aber, aber, Herr Pfarrer!“. Die Premiere fand am Samstagabend in der komplett ausverkauften Illipse statt.

. "Also die Zeit, die roost: Et is schon widda Friehjohr und do spille mir Theater!", sagte Elvira Fuck in ihrer beim Publikum der Mundartbühne Illingen so beliebten Begrüßungsansprache in Platt, die regelrechten Kultstatus hat. Unter Fucks Regie ging man bei der diesjährigen "Friehjohrs"-Aufführung der Frage nach, was wohl passieren würde, "wenn Illinge kä Paschdor hätt!". Und vor allem: Was alles passieren könnte, wenn sich ein Landstreicher ins Pfarrhaus einschliche und die ganze Gemeinde ihn für den neuen Pfarrer hielte. Unterstützt wurde Fuck von Silke Schröder, die bei dem Dreiakter "Aber, aber, Herr Pfarrer!" von Hans Schimmel ihr Regiedebüt bei der Erwachsen-Gruppe des Theatervereins feierte.

Eine etwas altbackene Wohnung mit Christuskreuz, Marienbildnis und Heiligenfigürchen - ganz wie es sich für ein Pfarrhaus gehört - tat sich bei der Premiere am Samstagabend in der Illipse vor dem komplett ausverkauften Saal auf, als sich der Vorhang öffnete. Landstreicher Freddie (Benedikt Schmidt) fühlte sich hier so richtig wohl. Ein Bad nehmen, die Kleider in die Waschmaschine stecken, in ein herumliegendes Messgewand schlüpfen und sich ein Schlückchen Schnaps gönnen. Doch bald wird es unangenehm: Küsterin Mathilde (Rita Bick) und Küster Ottfried (Gerd Hoffmann) überraschen ihn und - sind hellauf begeistert: "Endlich sinn Sie do!" Man hält ihn für den neuen Pfarrer, der den Platz dessen einnehmen soll, der sich tragischerweise "dohd geeiert" hat. "Vorwitzische Weibsleit" aus dem Dorf lassen nicht lange auf sich warten: "Jetzt hamma nommo geistlicher Beistand. Un besser aussiehn, als der alte, dud er un jinger issa aach!" Pauline (Margret Detemple) ist hin und weg. Gegen so viel Begeisterung seiner "Schäfchen" kommt der falsche Pfarrer nicht an, Versuche, das Missverständnis aufzuklären, verlaufen im Sande. Chaotisch wird es vor allem, als er seine Pflichten wahrnehmen soll: Messen lesen, Verliebte trauen, die Letzte Ölung geben. Dem Pfarrer bleibt vor Schreck der Mund offen stehen und das Publikum amüsierte sich bestens über Schmidts urkomische Schreckens-Mimik sowie die fruchtlosen Versuche, sich herauszuwinden.

Auch den Betrunkenen gab Schmitt köstlich, ebenso Jens Lenhoff als sein nicht allzu heller, aber treuer Kumpane Atze, den die Illinger Gemeinde seit Eintreffen des "neuen Pfarrers" ebenfalls an der Backe hat und vor dem Schnaps und Messwein genauso wenig sicher sind. Doch Freddi, der kein Blatt vor den Mund nimmt, kommt bei der Gemeinde bestens an: "Politiker sinn wie Taube. So lang du was hascht, was die wolle, fresse se da aus da Hand. Wenn se awwa owwe ankomm sinn, scheiße se da uff de Kopp!" Außerdem reicht er mangels Kenntnis der liturgischen Abläufe Häppchen zum "Aperitif", dem Messwein, und legt auch mal Nickerchen auf dem Altar ein. Der Klingelbeutel ist so voll wie nie, da drücken die Illinger gerne mal ein Auge zu. So erwartet den Pfarrer bei seiner Beichte, dass er gar kein Pfarrer ist, eine Überraschung: Man hat es längst gewusst!

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Auf einen BlickMitwirkende: Elvira Fuck und Silke Schröder (Regie); Benedikt Schmidt (Freddie); Jens Lenhoff (Atze); Rita Bick (Haushälterin); Gerd Hoffmann (Küster); Margret Detemple, Luisa Detemple, Christof Simmet, Iris Schröder, Brigitte de Pizzol und Sabine Engel (Schäfchen der Gemeinde) und weitere. ani