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Wenn es nachts zu hell ist und Kunst zu viel Strahlkraft entwickelt

Der Verteilerkasten in der Nauwieser Straße mit Kunst von Ede Grenner (rechts) und überpinselt. Fotos: Hartmann/Becker&Bredel
Der Verteilerkasten in der Nauwieser Straße mit Kunst von Ede Grenner (rechts) und überpinselt. Fotos: Hartmann/Becker&Bredel
Saarbrücken für Fortgeschrittene. Waren die Formblätter für einen "Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars, dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt zum Behuf der Vorlage beim zuständigen Erteilungsamt" nicht zu finden? Oder war es einfach mal wieder zu hell? So hell, dass der Zeichner Ede Grenner nicht schlafen konnte und das viele Licht stattdessen zu etwas nutzte, was Künstler mitunter so tun: Kunst anfertigen. Dieser Teil der Geschichte bleibt im Dunkeln. Martin Rolshausen

Waren die Formblätter für einen "Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars, dessen Gültigkeitsvermerk von der Bezugsbehörde stammt zum Behuf der Vorlage beim zuständigen Erteilungsamt" nicht zu finden? Oder war es einfach mal wieder zu hell? So hell, dass der Zeichner Ede Grenner nicht schlafen konnte und das viele Licht stattdessen zu etwas nutzte, was Künstler mitunter so tun: Kunst anfertigen. Dieser Teil der Geschichte bleibt im Dunkeln.


Ans Licht gekommen ist: Ede Grenner hat auf einen Verteilerkasten vor der Kneipe "Kurzes Eck" im Nauwieser Viertel einen Vogel gezeichnet, der nicht schlafen kann, weil die relativ neue Beleuchtung ihm zu grell ist. Als bis ins Stadtplanungsamt durchgesickert war, was da geschehen ist, rief jemand von dort bei Lieselotte Hartmann an. Sie ist Sprecherin der Initiative Nauwieser Viertel, die sich darum bemüht, dass graue Kästen bunt werden. Das Amt wies darauf hin, dass Grenners Bild nicht genehmigt ist.

Die Verschönerungen der Kästen müssen nämlich mit deren Eigentümern abgesprochen, die Motive dem Stadtplanungsamt zur Genehmigung vorgelegt werden. Das hat Grenner versäumt.



Ob das Amt gegen die illegale Kunst vorgehen wollte, ist nicht klar. Musste es auch nicht. Das hat der Hauseigentümer getan. Was auch nicht legal war, weil ihm der Kasten ja nicht gehört, sondern wohl der Post. Der Hauseigentümer heißt König. Ein Name, der zu einer weiteren verwerflichen Aktion geführt hat: Jemand hat dem wieder grauen Kasten den Schriftzug "vom König zensiert" verpasst.

König will sich zu all dem nicht äußern. Damit rutscht die Geschichte in eine Grauzone. Denn es ist zu hören, dass König die Meinung des Künstlers durchaus respektiert. Die Farbe sei ihm aber zu grell gewesen. Ob die Strahlkraft des Kunstwerks jemanden um den Schlaf gebracht hat, ist nicht bekannt. Martin Rolshausen