Wenn Entdecker fotografieren

Der Begriff „Urban Exploring“ bezeichnet eine Szene von Entdeckern, auf der Suche nach Bauten, die verlassen, aber nicht beseitigt wurden. Kein Detail soll verändert werden und die Fotopirsch ist oft verbunden mit dem Reiz des Verbotenen.

Ein eingestaubter, verbeulter Oldtimer in einem alten Steinbruch. Der Steinbruch diente der Bevölkerung während des zweiten Weltkriegs als Schutzbunker, das weiß man. Aber wie kam das Auto dahin? Wollte jemand auch sein Auto dort in Sicherheit bringen? Was wurde aus dem Besitzer? Fragen, die wohl unbeantwortet bleiben. Versunkene und vergessene Welten zeigen die drei Saarländer Jörn Collet, Oliver Fenique und Pascal Dihé in einer gemeinsamen Fotoausstellung im Johannes-Foyer in der Saarbrücker Ursulinenstraße.

Verwunschene Treppenaufgänge führen ins Nichts. Aufwendig ornamentierte Gänge lassen die einstige Pracht der Bauten erahnen. Nur noch wenig grünliches Licht schimmert durch den Efeu, der ein ganzes Haus überwuchert. Eine Küche, vollständig eingerichtet, gekocht hat hier seit Jahrzehnten niemand mehr. Ein Mann habe sein altes Haus einfach verlassen und daneben ein neues gebaut, erzählt Oliver Fenique. Bett und Nachttopf hat er im alten gelassen, sein ganzes altes Leben einfach abgestreift. Nun kommen Entdecker, wundern sich und fotografieren. "Urban Exploring" ist der Titel der Ausstellung, der Begriff bezeichnet eine ganze Szene von Entdeckern, auf der Suche nach Bauten, die verlassen, aber (noch) nicht beseitigt wurden. Alte Herrenhäuser oder Industrieruinen, eine Fotopirsch oft verbunden mit dem Reiz des Verbotenen. Wer schafft es als Erster in die aus Sicherheitsgründen abgeriegelten Bauruinen vorzudringen? Es gibt einen Ehrenkodex: nichts verändern, spurlos wieder verschwinden. Nicht alle halten sich daran.

Dihé, Collet und Fenique scheuen sich, die Orte, an denen sie fündig wurden, zu benennen. Zu oft mussten sie erleben, dass Bekanntheit in der Szene den Schauplätzen nicht nur den Zauber raubt, sondern auch Zerstörung nach sich zieht. Sie wollen bewahren, im Bild festhalten, was aus der Welt verschwinden wird. Sie haben kein Problem damit, an offizieller Stelle beharrlich um Fotoerlaubnis zu bitten, um wirklich gute Bilder zu bekommen. So fotografierten Collet und Mitstreiter das Alte Stadtbad in Saarbrücken und das verlassene Kino in Theley. Das Kino gibt es nicht mehr.

Die Amateurfotografen Collet, Fenique und Dihé arbeiten stilistisch unterschiedlich mit deutlich erkennbarer Handschrift. Die technisch hervorragenden Bilder entstanden vor allem im Saarland, im nahen Frankreich, in Belgien und in Luxemburg.

Zum Thema:

Auf einen BlickAusstellung: Urban Exploring - Der Reiz des Verborgenen. Ort: Johannes-Foyer - das Haus des Bistums Trier in Saarbrücken , Ursulinenstraße 67, 66111 Saarbrücken . Dauer der Ausstellung: bis 28. November. Öffnungszeiten: werktags von 8 bis 20 Uhr.Kontakt: Johannes-Foyer Saarbrücken , Telefon (06 81) 9 06 80 (17-20.30 Uhr). ask