Wenn die Diagnose „Komischer Kopf“ lautet

Im Klinikum Saarbrücken werden immer wieder Babys mit der Diagnose „Komischer Kopf“ behandelt. Hintergrund: Normalerweise wachsen die Schädelnähte erst später zusammen, damit sich das Gehirn ohne Schaden entwickeln kann.

Robin ist heute ein aufgewecktes Kind, gerade mal drei Jahre alt, und liebt Fußball über alles. Nur eine Narbe am Kopf, die vom Haar verdeckt wird, erinnert heute noch an eine schwere Kopfoperation, die er im Alter von nur sechs Monaten hatte.

Die Mutter Tina Alles hatte es schon kurz nach der Entbindung gemerkt: Die Kopfform des Babys war "komisch". Die Hebamme beruhigte sie noch. Doch auch die Kinderärztin stellte bei einer Vorsorgeuntersuchung - da war Robin gerade mal einen Monat alt - eine seltsame Kopfform fest und schickte die Eltern zum Röntgen. Eine Computertomografie-Untersuchung im Klinikum Saarbrücken brachte es schließlich an den Tag: Eine Schädelnaht hatte sich vorzeitig geschlossen; das Hirn hatte kaum noch Platz, sich zu entwickeln. Schnelles Handeln war gefragt. Die Neurochirurgin Prof. Dr. Cornelia Cedzich, Chefärztin im Klinikum Saarbrücken, erklärt: Die Kopfform entwickelt sich vor allem im ersten Lebensjahr durch ein Zusammenspiel aus Hirn- und Knochenwachstum. Damit der Schädelknochen wachsen kann und ausreichend Platz für das sich entwickelnde Hirn bietet - immerhin steigert sich das Hirnvolumen in dieser Zeit auf mehr als das Doppelte -, besteht der Hirnschädel aus verschiedenen Knochenteilen, deren Nähte normalerweise erst in der zweiten Lebensdekade zusammenwachsen. Verschließt sich eine Schädelnaht vorzeitig, dann kommt es zu einem Wachstumsstopp. Es entwickelt sich ein asymmetrischer Schädel, ein "komischer Kopf" oder, wie Mediziner sagen, eine Kraniosynostose.

Dabei sind die Folgen sehr unterschiedlich, wie die Neurochirurgin weiß. "Manchmal ist es nur der kosmetische Aspekt. In anderen Fällen kommt es zu Verzögerungen in der Sprachentwicklung. Falls sich aber mehrere Nähte vorzeitig verschließen, kommt es zu einem erhöhten Druck im Schädelinnern, was bis zur Erblindung führen kann."

Bei Max war die sogenannte Pfeilnaht vorzeitig verknöchert. Der Schädel wuchs nur noch in die Länge, nicht mehr in die Breite. Die Empfehlung der Ärzte lautete deshalb: Eine Operation, noch vor dem sechsten Lebensmonat, auch um für das Gehirn ausreichend Platz zum weiteren Wachstum zu schaffen. Bei der Operation haben die Ärzte die Schädeldecke des Babys geöffnet, große Knochenteile entnommen und anschließend wieder so eingesetzt, dass dem Gehirn mehr Raum in die Breite gegeben wird. Acht Tage musste Robin mit seiner Mutter im Krankenhaus bleiben. Nach anfänglich häufigen Nachuntersuchungen muss er jetzt nur noch einmal im Jahr kommen, bis zur Einschulung.

In anderen Fällen kommt es vor, dass die Nähte der beiden Stirnknochen zusammengewachsen sind, sodass sich weder eine Stirn noch ein Augendach entwickeln kann. Auch dann muss operiert werden. Allerdings ist das nicht nur ein kosmetisches Problem, wie die Neurochirurgin weiß. Auch hier muss dem Gehirn ausreichend Platz zum Wachstum gegeben werden, damit es nicht zu Entwicklungsstörungen kommt. Im Klinikum Saarbrücken arbeiten bei diesem Krankheitsbild Kinderarzt, Neurochirurg, der Mund-, Kiefer- und Gesichts-Chirurg sowie der Anästhesist Hand in Hand, damit die erforderlichen Operationen gut verlaufen. Jährlich werden hier bis zu 15 Babys operiert, die einen "komischen Kopf" haben. Immerhin kommt eines von 1000 Kindern mit einer solchen Kraniosynostose zur Welt.