Wenn der Spaß aufhört

1968 wurde in der Karcherstraße der „Club 14“ als Anlaufstelle für Suchtkranke eröffnet. 1993 wurde daraus das „Café Jedermann“ in der Cecilienstraße. Dort werden am Samstag 35 Jahre Selbsthilfe gefeiert.

Wenn der Spaß aufhört

"Wo hört der Spaß auf?" Die Frage komme ganz harmlos daher, sagt Franz Schreiner, aber sie könne im Leben eines Menschen "die zentrale Frage" sein. Franz Schreiner weiß, wovon er spricht. "Jetzt" lautete seine Antwort auf diese Frage, damals, als Franz Schreiner, wie er sagt, an seinem "ganz persönlichen Tiefpunkt angekommen" war. An dem Punkt, als er sich eingestanden hat, dass er spielsüchtig ist und es alleine nicht mehr schafft, von dieser Krankheit loszukommen.

Seit einigen Jahren versucht Franz Schreiner auch anderen, die zum Sklaven von Spielautomaten und Internetspielen geworden sind, rauszuhelfen aus ihrer Sucht. Schreiner leitet eine von acht Selbsthilfegruppen im Café Jederman im Nauwieser Viertel. Seit 1993 treffen sich die Gruppen in dem Café in der Cecilienstraße.

Als Franz Schreiner sich entschied, sich helfen zu lassen, hieß das Ganze noch "Club 14". 1968 war dieser Club für Menschen, die sich ihrer Suchtkrankheit stellen, in der Karcherstraße 14 eröffnet worden. Da wurde getanzt und Tischtennis gespielt, erinnert sich Schreiner. Er erinnert sich aber auch daran, wie schwer ihm der erste Schritt in eine Beratungsstelle gefallen ist.

"Wenn man ehrlich ist, merkt man, dass eine Grenze überschritten ist", sagt Alois Daniel, der Vorsitzende des Café-Vereins. Viele seien aber nicht ehrlich zu sich selbst, weiß er. Die denken: "Das kriege ich schon wieder in den Griff." Ob es um Drogen, Alkohol oder Spielsucht geht - "ohne eine Gruppe geht es nicht; das schafft auch die Familie nicht", sagt Oliver Klein vom Jederman-Vorstand.

Rudi Wagner zum Beispiel erzählt, dass er wegen seiner Alkoholprobleme gedacht hat: "Würdest du doch einfach umfallen, es würde ein Krankenwagen kommen, und alles ginge seinen Weg." Die Möglichkeit, einfach zum Arzt und einer Selbsthilfegruppe zu gehen, bevor ein Krankenwagen notwendig ist, schien weit weg. Auch Rudi Wagner leitet eine Gruppe im Jederman.

Die Arbeit der Männer, die wissen, wovon sie sprechen, da sind sie sich einig, ist wichtiger geworden. Suchtprobleme sind allgegenwärtig. Alleine rund 3500 Spielabhängige seien im Saarland offiziell gemeldet, sagt Schreiner. Die Dunkelziffer liege weit höher. Dass immer mehr Spielhallen eröffnen, verschärfe das Problem.

Es gebe aber auch immer wieder Erfolgserlebnisse in den Gruppen - die Momente, in denen für Menschen der Spaß wieder anfange - ohne die Sucht nach Spiel, ohne Alkohol, ohne Drogen.