Wenn der Bombenleger plötzlich Skrupel bekommt

Das „Red Queen Theatre“ aus London bringt eine politische Tragödie auf die Bühne des Theaters im Viertel und stellt die Frage „Ist Gewalt legitim?“. Dabei binden die Schauspieler auch das Publikum gekonnt ein.

Drei junge Leute wollen durch einen Umsturz die korrupten Verhältnisse in ihrem Land beenden: mit Bombenanschlägen und einem Computerprogramm, das die Zukunft kontrollieren kann.

Rosa (Carlotta Ipsen), das Informatik-Genie, übernimmt das Programmieren. Claude (Hayden Munt) tritt in den Dienst der Regierung ein und besorgt die Daten. Steven (Tim Frith), der die Bomben legen soll, schwört auf Karl Marx , schreibt aufrührerische Gedichte und sieht sich als "Enjolras" schon als Anführer einer neuen großen Revolution.

Doch am Tag X, im Juli 2015, kriegen sich die drei Terroristen in die Haare. Nicht nur die falschen Daten, die Claude geliefert hat, drohen das Vorhaben scheitern zu lassen, auch Fragen, die sich die drei jetzt stellen. Genau darum geht es dem Londoner "Red Queen Theatre", das seit Mittwoch bis einschließlich heute im Theater im Viertel gastiert.

Mit ihrem selbstgeschriebenen Stück "At the Dark of the Dawn"(Im Morgengrauen), "eine politische Tragödie für das digitale Zeitalter", will die Londoner Studententruppe zum Nachdenken und gemeinsamen Diskutieren anregen über Fragen "Wie legitim ist Gewalt ?" Das gelingt ihr außerordentlich gut, auch wenn ihre Versuchsanordnung recht abstrakt daher kommt, in erster Linie auf Dialoge setzt und die Protagonisten mehr Typen sind denn Charaktere. Ein seltener Genuss in Saarbrücken ist ihr Englisch mit feinem britischen Akzent und ihre Art, das Publikum durch echtes Interesse und offene Fragen in eben dieser Sprache zum Diskutieren zu animieren.

Die Studenten Carola Ipsen, eine Deutsche, und Leo Doulton, ein Brite, haben ihr "Red Queen Theatre", wie sie der SZ erzählen, erst im vorigen Jahr gegründet, das Stück verfasst, sich zwei weitere Studenten gecastet und die Produktion ohne jegliche Subvention auf die Beine gestellt.

Typisch für das Edinburgh Fringe Festival, bei dem sie noch auftreten wollen, dauert es nur 50 Minuten. Um Erfahrungen in anderen Ländern zu sammeln, touren sie zwischen Frankfurt, Bielefeld und Paderborn. Eine "großzügige Förderung des saarländischen Kultusministeriums", so Ipsen, ermöglichte, dass auch saarländische Schulklassen und Studenten ihr Brit-Theater sehen konnten. Begegnungen mit so aufgeschlossenen, kreativen jungen Briten hätte man in Saarbrücken gern mehr.

Weitere Aufführung heute, 19 Uhr, Theater im Viertel.