Wenn das Wahllokal nicht barrierefrei ist

Leser-Reporterin berichtet von Problemen für Behinderte, in die Gesamtschule Bellevue zu gelangen.

Es ist Sonntag, und Gertrud Heuwagen ist auf dem Weg zum Wahllokal, um ihre Stimme für die Landtagswahl abzugeben. Mit zwei Krücken bewegt sich die Achtzigjährige über das Gelände der Gesamtschule Bellevue. In der Schule befindet sich eines der 128 Wahllokale der Landeshauptstadt.

Vor dem Haupteingang trifft Gertrud Heuwagen, die seit sieben Jahren auf Krücken angewiesen ist, auf einen Einundneunzigjährigen mit einem Rollator. Es sei alles zu, sagt er zu ihr. Er wolle es durch den Hintereingang versuchen. Leser-Reporterin Heuwagen überzeugt ihn davon, gemeinsam einen Weg in das Wahllokal zu suchen.

Sie erzählt: Am Haupteingang der Schule hätten sie und der ältere Herr vor drei großen Glastüren gestanden. Sie seien nicht abgeschlossen gewesen, aber zu schwer, um sie ohne Hilfe zu öffnen.

Dem Mann mit dem Rollator sei es nicht möglich gewesen, sich Zugang zu verschaffen. "Mit Mühe und Not" versucht Gertrud Heuwagen die Tür zu öffnen. Schlussendlich gelingt das erst, als ein junges Pärchen ihr zur Hilfe kommt. "Ein Rollstuhlfahrer hätte es nicht geschafft", sagt Gertrud Heuwagen.

Bei den Wahlhelfern beschwert sie sich gleich danach über diese Barriere. Auch beim Verlassen des Wahllokals muss ihr eine Frau zu Hilfe kommen, um die Türen zu bewältigen.

Von barrierefrei wählen gehen, wie es auf der Wahlbenachrichtigung steht, könne hier nicht die Rede sein, meint sie.

Sie würde sich wünschen, dass bei der nächsten Wahl solche Hindernisse nicht mehr zwischen Wählern und Wahlurne stehen.

Stadtpressesprecher Thomas Blug sagt dazu auf Anfrage unserer Zeitung: "Wir gehen der Kritik der Dame bei der Nachbearbeitung der Landtagswahl nach. Wir werden prüfen, ob wir bis zur nächsten Wahl Nachbesserungen an dem Wahllokal vornehmen müssen. Weitere Beschwerden liegen uns derzeit nicht vor."

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