Weltweit anerkanntes Informatikzentrum unter neuer Leitung

Zum 1. Mai hat Professor Raimund Seidel die wissenschaftliche Leitung von Schloss Dagstuhl – Leibniz-Zentrum für Informatik – übernommen. Damit tritt er die Nachfolge des Gründungsdirektors Professor Reinhard Wilhelm an, der 24 Jahre das Konzept prägte.

Der neue Leiter des Informatik-Zentrums Schloss Dagstuhl, Professor Raimund Seidel, ist ein international renommierter Wissenschaftler. Seine Interessen liegen hauptsächlich im Entwurf und der Analyse von Algorithmen und Datenstrukturen, insbesondere für geometrische Probleme und auch unter Verwendung von Zufallsmechanismen ("Randomisierung"). Er ist maßgeblich an den Erfolgen der Saarbrücker Informatik in der Exzellenzinitiative beteiligt, unter anderem als Gründungssprecher der Saarbrücken Graduate School of Computer Science. Am 1. Mai übernahm er die Leitung des Informatikzentrums Schloss Dagstuhl und tritt die Nachfolge des Gründungsdirektors Professor Wilhelm an.

Professor Wilhelm hat in den vergangenen 24 Jahren das Dagstuhl-Konzept mit seiner persönlichen Note geprägt. Das 1990 gegründete Informatikzentrum entwickelte sich unter seiner Leitung rasch zu einem international anerkannten Treffpunkt in der Informatikforschung, das Wissenschaftler aus der ganzen Welt anzieht und inspiriert. In die Abgeschiedenheit von Schloss Dagstuhl im nördlichen Saarland werden nur die klügsten Köpfe eingeladen. Klein sind die Gruppen, die sich auf Schloss Dagstuhl treffen, handverlesen und im besten Sinne interdisziplinär. Für konzentriertes Nachdenken und konstruktive Gespräche finden Wissenschaftler hier den perfekten Ort.

Wilhelm mehrfach ausgezeichnet

Für seine Verdienste als wissenschaftlicher Direktor hat Professor Wilhelm mehrere nationale wie internationale Auszeichnungen erhalten, wie den "Distinguished Service Award", der ihm von der weltweit größten Informatikgesellschaft, der "Association for Computing Machinery (ACM)", verliehen wurde. Inzwischen umfasst die wissenschaftliche Arbeit nicht nur den Seminarbetrieb sondern auch den Betrieb von dblp, der international bedeutendsten Literaturdatenbank für Informatik, und OpenAccess-Verlagsdienstleistungen.

Mit dem Informatikzentrum Schloss Dagstuhl ist Professor Seidel seit den frühesten Anfängen vertraut. Seit einigen Jahren gestaltet er als Mitglied des wissenschaftlichen Direktoriums auch das Programm von Dagstuhl mit. "Als regelmäßiger Teilnehmer an wissenschaftlichen Seminaren und Referent bei Dagstuhl-eigenen Veranstaltungen wie dem Workshop Wissenschaftsjournalismus und der Lehrerfortbildung kenne ich das besondere Konzept von Schloss Dagstuhl schon lange. Jetzt freue ich mich darauf, das großartige Werk von Reinhard Wilhelm weiterführen zu dürfen", sagt Professor Seidel.

Von Kalifornien ins Saarland

Raimund Seidel studierte Mathematik und Informatik in Österreich, Kanada und den USA. Nach seiner Promotion an der Cornell University im Jahr 1986 war er am IBM Almaden Research Center tätig und folgte bereits ein Jahr später einem Ruf als Professor an die University of California in Berkeley. 1994 zog es ihn wieder zurück nach Europa, so dass er eine Professur an der Universität des Saarlandes annahm. "Den Schritt von Kalifornien ins Saarland habe ich in Anbetracht der glänzenden Entwicklung der Informatik in Saarbrücken nicht bereut und freue mich nun auf die Herausforderung, das schon so erfolgreiche Dagstuhl-Konzept im Hochwald weiterzuentwickeln", erklärt Professor Seidel.

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HintergrundSchloss Dagstuhl lädt das ganze Jahr über Wissenschaftler aus aller Welt ins nördliche Saarland ein um über neueste Forschungsergebnisse in der Informatik zu diskutieren. Mehr als 3500 Informatiker von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Industrie aus der ganzen Welt nehmen jährlich an den wissenschaftlichen Veranstaltungen in Dagstuhl teil. Seit 2005 gehört Schloss Dagstuhl zur Leibniz-Gemeinschaft, in der zurzeit 89 führende außeruniversitäre Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen in Deutschland vertreten sind. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. red