Weiße Speisen nach schwarzer Nacht

Saarbrücken. Nächtliche Grenzerfahrungen. Wie arbeitet ein bildender Künstler unter dem Einfluss von Dunkelheit, Einsamkeit, Übermüdung? Dieser Frage spürt der im Saarland ansässige Maler Klaus Harth bei seinen "Langen Vogelnächten" nach

Saarbrücken. Nächtliche Grenzerfahrungen. Wie arbeitet ein bildender Künstler unter dem Einfluss von Dunkelheit, Einsamkeit, Übermüdung? Dieser Frage spürt der im Saarland ansässige Maler Klaus Harth bei seinen "Langen Vogelnächten" nach. Die erste fand im Dezember in Mainz statt; die zweite lief nun am Samstag als Extra-Ausgabe der "HörBar" ab später Stunde im KuBa (Kulturzentrum am Eurobahnhof), unterstützt vom Saarbrücker Liquid Penguin Ensemble. Erwartungsgemäß wurde es eine ebenso lautmalerische und verschmitzte wie intime Veranstaltung.Den ersten Teil bestritten Harth und die beiden Pinguine Katharina Bihler und Stefan Scheib mit gemeinsamen Improvisationen und Soli zum Themenkreis Nacht und Vogel - darunter Beiträge von John Cage, Ornette Coleman oder Giacinto Scelsi, aber auch eine faszinierend poetische Beschreibung des Pirols aus Brehms Tierleben. Kontrabassist Scheib lotete virtuos alle klanglichen Möglichkeiten seines Instrumentes aus, während Bihler (Stimme) ausdrucksstark rezitierte, bei Barockliedern einen wunderbar reduzierten Ton fand und szenisch mit Licht- und Farbeffekten spielte.

Harth trat hier auch als Musiker in Aktion, indem er beim Zeichnen mit der Kreide perkussiv auf die Tafel trommelte oder einem Kupferrohr, dem er ein Klarinettenmundstück aufgepfropft hatte, erstaunliche Laute entlockte.

Nachdem man den dreien durchs Treppenhaus ins Freie und wieder zurück gefolgt war, wären dann lyrische Zuschauerbeiträge zum Thema Nacht und Vogel willkommen gewesen. Doch viele Gäste hatten sich schon verabschiedet, andere blickten teils bereits recht schläfrig drein. So blieb's bei einer Lesung Armin Schmitts (Rezitative), die erst weit nach Mitternacht endete. Anschließend ging Harth in nächtliche Klausur, um an seiner Serie "Einen Vogel zu haben ist besser, als nichts zu haben" weiterzuarbeiten.

Bei diesem 1997 gestarteten und auf mittlerweile über 1300 Bilder geschwollenen Zyklus variiert Harth das immer gleiche Vogel-Motiv im Sinne einer Versuchsanordnung, die Bedeutungen und Möglichkeiten des Bildgegenstands hinterfragt. Daraus entwickelte er dann auch das Konzept seiner "Langen Vogelnächte", das den Akt des Malens um die Faktoren mangelnde Konzentration und reduzierte Wahrnehmung ergänzt. Um sechs Uhr in der Früh am Sonntagmorgen öffnete Harth sein Atelier wieder, und ab acht Uhr gab es ein Frühstück mit weißen Speisen: als Kontrast zur musikalisch-literarischen Kost der schwarzen Nacht. kek