„Weil wir Bürger dieser Stadt sind“

Neunkirchen · Aktuelle Themen oder Stadtgeschichte – die Achtklässler der ERS Lutherstraße befassen sich im Unterricht und live vor Ort mit „ihrer“ Stadt. Bis zum Sommer stehen noch etliche Exkursionen an.

 Die Klasse 8Ha der ERS Lutherstraße setzt sich mit Neunkircher Themen auseinander. Beigeordneter Sören Meng (r.) betreut als Pate das Projekt von Seiten der Stadtverwaltung. Foto: Schule/Luise Jakob

Die Klasse 8Ha der ERS Lutherstraße setzt sich mit Neunkircher Themen auseinander. Beigeordneter Sören Meng (r.) betreut als Pate das Projekt von Seiten der Stadtverwaltung. Foto: Schule/Luise Jakob

Foto: Schule/Luise Jakob

Häuserabriss in der Bahnhofstraße, Verschönerung der Bliespromenade? Die 8Ha hat sich's angesehen. Eine neue Fassade fürs Rathaus? Delilah, Ramon, Kübra, Jonathan, Zilal, Vanessa, Devran und ihre Mitschüler waren vor Ort. Und auch sonst wissen die 13- bis 16-Jährigen verblüffend genau Bescheid, was in Neunkirchen läuft, angefangen von der Bosch-Ansiedlung über den Hochschulstandort und die Neugestaltung des Lübbener Platzes bis hin zur Verkehrsberuhigung der Lindenallee. Vor ein paar Monaten sah das noch etwas anders aus, erinnert sich Sören Meng. "Damals meinten einige, hier ist es assi", sprich asozial. "Dieses Gefühl, hier will ich nicht bleiben, wollten wir drehen." Weshalb der Beigeordnete der Stadt Neunkirchen von Initiatorin Luise Jakob nicht lange überredet werden musste, Pate und Partner des Pilot-Projektes "Unsere Stadt" der 8Ha zu werden.

Seit Anfang des Schuljahres lässt die Klassenlehrerin Themen wie Stadtentwicklung zum Beispiel in Sozialkunde, Arbeitslehre oder Erdkunde einfließen. Meng selbst ist regelmäßig dabei. An diesem Morgen hat er ein Exemplar "Neunkircher Erinnerungen" als Geschenk dabei und erzählt anhand alter Fotos aus der Geschichte der Hüttenstadt. Straßenbahn und Eisenwerk, Gasometer-Explosion - vieles wissen die Schüler auch hier oder erraten es, nur manches nicht. Dass es sich bei dem Verkaufsstand auf Rädern nicht um einen mobilen Döner-Imbiss, sondern um einen Eiswagen (1960) handelt etwa oder dass Neunkirchen sogar zwei Schlösser hatte. "Dann gab es ja auch eine Prinzessin", wundern sich die Jungs. Natürlich berichtet der Beigeordnete vom jüngsten Bombenfund: "Ihr habt mich mal gefragt, was ich den ganzen Tag so mache", meint er lächelnd. Schnell Entscheidungen treffen, einen Krisenstab einberufen, evakuieren lassen - kein Tagesgeschäft, aber durchaus relevant für jemanden in der Verwaltungsspitze einer Stadt.

Meng schaufelt sich gern die Zeit frei für "seine" Achtklässler: "Manchmal wird jungen Menschen unterstellt, sie wären an ihrem Umfeld desinteressiert." Dieses Projekt beweise aber das genaue Gegenteil. "Die Schüler nehmen rege Anteil an der aktuellen Stadtentwicklung. Sie merken, dass sich derzeit in unserer Stadt vieles positiv verändert." Und sind längst dabei, sich damit zu identifizieren. "Wenn wir ihnen zeigen, dass jeder für seine Stadt einen persönlichen Beitrag leisten kann, haben wir viel erreicht." Auf dem Plan stehen bis zum Sommer noch diverse Exkursionen zu den aktuellen Baustellen, aber auch zum Sudhaus und dem Spitzbunker. Das neue Musical will Luise Jakob unbedingt im Kunstunterricht aufgreifen - und möglichst auch anschauen mit den jungen Leuten. "Das kriegen wir hin", verspricht Sören Meng.

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