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Was Mitglieder der Jungen Union Saar und des Vereins Rote Sonne in nordirakischen Flüchtlingscamps erlebten

Was Mitglieder der Jungen Union Saar und des Vereins Rote Sonne in nordirakischen Flüchtlingscamps erlebten

Die Junge Union Saar hat gemeinsam mit dem jesidischen Verein Rote Sonne Hilfsgüter zu Flüchtlingen in den Nordirak gebracht. Dort erfuhren sie hautnah vom Leid der Menschen, die dem IS-Terror entronnen waren.

Das Saarland zeigt Flagge im Nordirak: Ein Hilfs-Konvoi des Vereins Rote Sonne und der Jungen Union Saar wird entladen.

Wie lebt eine Frau weiter, nachdem der eigene Mann und Sohn vor ihren Augen erschossen worden sind? Wie die Eltern, deren Kinder auf der Flucht langsam verdurstet sind? Wie der Vater, dessen Tochter vergewaltigt und verkauft wurde? Was die Mitglieder des Vereins Rote Sonne der Ezidischen Karitative aus Saarlouis von ihrer Reise in die Flüchtlingscamps des Nordirak erzählen, klingt wie die Geschichte aus einem Horror-Thriller. Doch all dies geschieht direkt vor den Türen Europas. Vor unseren Türen.

Am 10. Januar reisten die Vorstandsmitglieder des Vereins Rote Sonne Adoula Dado, Saman Saeed und Adib Hamo zusammen mit Markus Uhl, Landesvorsitzender der Jungen Union (JU) Saar , und JU-Landesgeschäftsführer Philip Vollmar in den Irak, um Hilfsgüter an Flüchtlinge zu verteilen. 16 000 Euro Spendengelder aus dem Saarland wurden zu 22 Millionen Dinar, mit denen rund 1000 Familien geholfen werden konnte. Die saarländische Gruppe verteilte 34 Tonnen Mehl und Reis. Organisiert wurde die gefährliche Reise von Saman Saeed, dessen Familie sich vor Ort ebenfalls für die jesidischen Flüchtlinge einsetzt.

Nun sind alle Helfer wieder unversehrt ins Saarland zurückgekehrt und berichten vom Leid der Menschen, die durch die Terror-Organisation Islamischen Staat (IS) alles verloren haben. "In der Millionenstadt Erbil erlebten wir einen bedrückenden Kontrast. Auf der einen Seite Luxushotels und Einkaufsstraßen, auf der anderen Seite die Flüchtlinge in Rohbauten, Baracken und Bretterverschlägen, denen es an lebensnotwendigen Sachen fehlt", sagt JU-Chef Uhl. Die Jungpolitiker besuchten in Erbil sechs jesidische Flüchtlingsfamilien, die sie mit Nahrung versorgten. Die Familien hätten winzige Unterkünfte, müssten Kälte und Hunger erdulden. Doch den Flüchtlingen in Erbil gehe es noch relativ gut.

Bei der nächsten Etappe, die der Verein Rote Sonne alleine antrat, ging es in Dörfer nahe Dohuk, nordwestlich von Erbil. Hier fehle es an allem, ganz besonders an Nahrung. "Egal wo man aussteigt, sofort kommen einem Kinder entgegen gelaufen, die einen umarmen wollen", erzählt Adoula Dado. Sie berichtet von einem Mädchen, das von den anderen niedergetrampelt wurde. Es hatte an diesem Tag noch nichts gegessen. Dado sagt, in den Augen der Kinder könne man sehen, dass sie Schreckliches erlebt hätten.

Die Vertriebenen in und um Dohuk mussten mit dem, was sie am Leib hatten, flüchten. Ohne Geld, ohne Pass. Die Terror-Miliz IS stürmte in der Nacht ihre Häuser, zerrte die Menschen aus ihren Betten, vergewaltigte, mordete. Die, die flüchten konnten, suchten Rettung im Sindschar-Gebirge, wo ihre Kinder verdursteten. Die Überlebenden sind jetzt in Zeltlagern untergebracht, dort gibt es keine sanitären Anlagen und kaum Nahrung. Der Winter steht bevor. Es sind Menschen, die vorher ein ganz normales Leben hatten - ein Haus, eine Arbeit, eine Familie. Menschen, die bislang immer für sich selbst gesorgt haben.

In Lalish trifft die Gruppe auf sechs (von rund 200) von der Terror-Miliz IS freigelassene Frauen . Vor allem ältere und kranke Jesidinnen wurden vermutlich aus Nahrungsknappheit freigelassen. "Diese Frauen standen völlig neben sich, sie haben nur gelallt, und es war, als wären sie verrückt geworden", berichtet Dado. Noch immer befänden sich etwa 4000 Frauen in der Gewalt der IS-Kämpfer. "Diese Frauen werden nicht einfach freigelassen: Der Vater kann die geschändete Tochter für etwa 2000 bis 3000 Euro zurückkaufen", sagt Saeed. Ein lukratives Geschäft für die Terror-Organisation IS.

Niemand weiß, was mit den Flüchtlingen geschehen soll. Sie können nie wieder zurück in ihre Häuser - denn wie kann man in einem Zuhause leben, in dem die eigene Familie niedergemetzelt wurde, in dem man von seinen muslimischen Nachbarn an den IS verraten wurde? Der Staat Kurdistan im Nordirak sei überfordert mit 1,5 Millionen Flüchtlingen, sagt Dado. Man müsse auf internationale Hilfe hoffen. Doch laut Informationen von Saeed seien bereits 25 Prozent der internationalen Hilfen gekürzt worden und bis zur Jahresmitte 2015 sollen sogar rund 50 Prozent gestrichen werden.

"Macht die Welt denn die Augen zu? Mit dem Verebben des Medieninteresses geraten die jesidischen Flüchtlinge in Vergessenheit, dabei sind gerade sie am schlimmsten betroffen", sagt Saeed. Das bestätigen auch die JU-Saar-Chefs Uhl und Vollmer. Hinter den verfolgten Christen stünde eine internationale Lobby, die den Jesiden fehle, kritisiert Uhl. Uhl sagt: "Wir sind keine Hilfsorganisation, aber wir werden das weiter politisch verfolgen und auf die Lage aufmerksam machen. Wir können auch nicht wegschauen, dafür ist es einfach zu nah vor unserer Tür." Auch der Verein Rote Sonne kämpft weiter für seine Landsleute und bittet um Spenden: "Jede Spende zählt, und wir stehen dafür ein, dass jeder Cent direkt an die Menschen geht." Im Frühjahr ist der nächste Hilfs-Konvoi geplant.

Spendenkonto des Vereins Rote Sonne der Ezidischen Karitative: BIC: KRSADE55XXX; IBAN: DE49 5935 0110 1373 1604 39