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Was der Feuerwehrchef zur Sicherheit in Saarbrücken sagt

Saarbrücken. Die Debatte über das Betriebsklima bei der Berufsfeuerwehr geht deren Chef unter die Haut. Er weist zwar Vorwürfe über Mobbing von sich, will aber mit Kritikern ins Gespräch kommen. Und den Saarbrückern zeigen: Die Feuerwehr ist einsatzbereit. Frank Kohler

Flammen lodern in einem Dachgeschoss irgendwo in Saarbrücken . Qualm versperrt den Weg ins Freie. Jetzt entscheiden Schnelligkeit und Können der Feuerwehr. In acht Minuten muss sie da sein, Menschen rausholen, die fünf Minuten später verloren wären. Saarbrückens Feuerwehrchef Josef Schun sagt: Wir können das. Rund um die Uhr. Denn, so versichert er, für einen "kritischen Wohnungsbrand", wie ihn jede deutsche Berufsfeuerwehr als Maßstab ihrer Arbeit hat, seien immer genug Leute mit passender Ausrüstung in den beiden Wachen einsatzbereit.

Auch wenn die Sollzahl von 25 Feuerwehrleuten unterschritten ist wie an 23 Tagen im Oktober. Und auch wenn Tanklöschfahrzeuge in der Garage bleiben, statt mit auszurücken. Denn die seien in solchen Fällen eben nicht nötig, um Leben und Hab und Gut zu retten.

Schun sagt das, weil er Kritiker im Haus hat, die sich in einem Protestschreiben an Oberbürgermeisterin Charlotte Britz gewandt haben. Sie werfen Schun und seinem Führungsteam unter anderem vor, Mitarbeiter anzuschreien und vorzuführen und an den falschen Stellen zu sparen (SZ vom Freitag). Schun will das so nicht stehen lassen. Zum einen, um den Saarbrückern zu sagen, sie seien sicher: "Diese Feuerwehr hat genau die richtige Größe." Zum anderen, weil er eine in seiner Zeit angeblich eingerissene Kultur des Abkanzelns und Vorführens von Kollegen ausdrücklich bestreitet. Deswegen lasse die Zahl der Kranken nicht auf das Betriebsklima schließen: "Unser Krankenstand unterscheidet sich nicht von anderen Berufsfeuerwehren . Dass fünf Kollegen lange ausfallen, hat nichts mit meinem Führungsstil zu tun." Dabei räumt Schun lange schwelende Konflikte mit einigen Untergebenen ein. Er und sein Führungsteam hätten sie aber zu Recht auf ein Verhalten angesprochen, das sie als Vorgesetzte nicht hinnehmen könnten - und dabei, wie er selbstkritisch einräumt, den einen oder anderen "nicht richtig mitgenommen". Dabei seien Veränderungen nun einmal notwendig gewesen. Etwa um den Überstundenberg abzubauen.

Sicherheitsdezernent Harald Schindel bestritt gestern Konflikte in der Wehr nicht: "Es gibt dort einen neuen Chef mit anderen Einstellungen und Schwerpunkten." Das Verjüngen von Führungsteams könne zu solchen Konflikten führen. "Jeder muss in eine solche Position hineinwachsen. Aber wir wollen auf diesem Posten jemanden, auf den wir in den nächsten 20 Jahren bauen können. Ich vertraue dem Feuerwehrchef zu 100 Prozent. Der als Vermittler eingeschaltete Coach bestätigt, dass wir das können." Schun schrieb seinen Leuten gestern, er sei bereit, sich noch einmal mit den Kritikern auseinanderzusetzen, und rief das Team auf, sich seiner Qualitäten bewusst zu sein.

Was die Feuerwehr kann, will sie am Samstag, 6. Dezember, ab 10 Uhr in ihrer Wache 1 am Hessenweg beim Tag der offenen Tür zeigen und mit Bürgern ins Gespräch kommen. Josef Schun: "Kritische Fragen, natürlich auch über mich, sind ausdrücklich erwünscht."