Warum Rauchen nicht wirklich mehr cool ist

Rauchen scheint nicht mehr cool zu sein. vor 15 Jahren rauchte fast noch jeder dritte Jugendliche, jetzt sind es nur noch 7,8 Prozent. Gut? Ja und Nein, denn die gesundheitlichen Folgen des Rauchens sind gleich geblieben.

Ein Lehrer, ganz in Weiß - das ist nicht alltäglich. Doch die 120 Schüler aus den vier siebten Klassen der Marienschule sind am Montag nicht nur zur Abwechslung vom schulischen Alltag in die Caritasklinik auf dem Rastpfuhl gekommen. Es ging vielmehr um Suchtprävention. "Vieles, was als Amüsement beginnt, macht am Ende süchtig", so Pia Gehlen, Sprecherin der Caritasklinik St. Theresia, die den Präventionstag regelmäßig ausrichtet. Bei dem sei die Marienschule inzwischen Stammgast. "Wir sind bestimmt schon seit acht Jahren dabei", meint Sport- und Biologielehrer Udo Vater. In Vorträgen und Workshops lernen die Teilnehmer die Gefahren eines sorglosen Zigaretten-, Alkohol- oder gar Drogenkonsums kennen.

Für das Programm sorgen die Mitarbeiter der Caritasklinik: Ein einführender Vortrag von Diplom-Psychologin Teresa Neubauer und Diplomsozialarbeiterin Mirjam Vogt verdeutlicht die Gruppendynamik, die Jugendliche allzu oft zum Griff zu Bier, Zigarette oder harten Drogen verleitet.

Als Einstieg in das Rauchen ist beispielsweise die Shisha (Wasserpfeife) unter Jugendlichen sehr beliebt. Die sei aber nicht ungefährlicher als eine Zigarette. "Hier sind prinzipiell die gleichen Gifte enthalten", so Dr. Christian Stodden, der als Oberarzt täglich mit den Folgen von Alkohol- und Zigarettenkonsum konfrontiert wird.

Die häufigste Folge seien Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagt er. Er zeigt den Schülern Röntgenaufnahmen von gesunden und kranken Gefäßen, von erkrankten Herzen und Fotos von Raucherbeinen. "An solche Probleme denkt man als junger Mensch natürlich nicht. Die Folgen treten auch nicht sofort auf. Aber wer über Jahre raucht, bekommt solche Probleme irgendwann mit ziemlicher Sicherheit", erklärt er. Rauchen und Alkoholkonsum verstärken ihre negativen Auswirkungen gegenseitig.

An zweiter Stelle stehen Tumorerkrankungen des HNO-Bereiches. Über die klärt Alexandra Kowalczyk von der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde auf. Wie deren Therapie abläuft, lernen die Jugendlichen beim Chefarztvertreter der Onkologie, Dr. Oliver Schmah. Der geht dabei auch auf mögliche Nebenwirkungen einer Chemotherapie ein, die durch Alkohol- oder Zigarettenkonsum in der Regel verstärkt werden.

Der Präventionstag hat bei den Schülern der Marienschule Eindruck gemacht: "Ich fühle mich jetzt richtig gut aufgeklärt", sagt die 13-jährige Julia am Ende des Präventionstages. "Die Fotos waren am schlimmsten", fügt ihre Freundin Victoria hinzu. Dass es ab Mai solche Schockfotos auch auf Zigarettenpackungen geben soll, finden die beiden gut. "Dann rauchen vielleicht auch weniger Jugendliche", hofft Julia.

Die Zahl der Raucher zwischen 12 und 17 Jahren ist indes bereits zurückgegangen. Im letzten Jahr lag ihr Anteil bei 7,8 Prozent, im Jahr 2001 waren es noch 27,5 Prozent. "Das kann daran liegen, dass Rauchen inzwischen nicht mehr als cool empfunden wird.

Aber wahrscheinlich spielt dabei auch Prävention eine Rolle", meint Christian Stodden.