Warum Lieder in den Schrank müssen

Die Sopranistin Almut Hellwig träumt schon lange davon, einen Liederabend ganz nach eigenem Plan zu gestalten. Dafür investiert sie intensive Probenzeiten.

Wenn sich Almut Hellwig in einer Woche mit dem eigenen Liederabend im Domicil Leidinger einen Jugendtraum erfüllt, kann man ausrechnen, wie viel Fleiß hinter dem einstündigen Programm steckt. "Mein Rekord sind zwei Jahre üben für ein Stück", sagt Almut Hellwig. Probt sie, verfährt sie nach Schema: intensiven Übungswochen folgen Pausen, in denen Hellwig die Partitur im Schrank wegsperrt. "Ich kann mir die Lieder schnell einprägen, übe die dann auch eine Woche jeden Tag. Dann lege ich die Noten vier bis sechs Wochen weg." Der oberflächliche Eindruck soll sacken, die Auseinandersetzung mit einem Stück intensiver werden. Der Intuition während der ersten Begegnung folge der Intellekt, die intensive Auseinandersetzung mit einem Lied.

Bei Hellwigs oben erwähntem Rekordstück handelte es sich um die Uraufführung von "Angela Nova 2" von Claus-Steffen Mahnkopf. "Seitdem schockt mich nichts mehr", schmunzelt Hellwig. Die zeitgenössische Musik liegt ihr. "Man ist nicht so beeinflusst, bei einer Uraufführung kann ich meine ganz eigene Interpretation singen."

Deshalb genießt sie es auch, dass sie bei der Gestaltung des Liederabends komplett freie Hand hatte. Der Verein Kultur und Bewusstsein (Kube) fördert junge Künstler wie sie. Schafft den Rahmen, damit Hellwig ihre gestalterische Kraft entfalten kann. "Das ist eine große Freiheit, die man sonst nicht hat", sagt Hellwig. Der eigene Liederabend, die Intimität mit dem Publikum, der magische Moment der Aufführung - ein Traum, der Hellwig seit dem Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Saar begleitet. "Für jeden Sänger ist das etwas Besonderes", sagt die Sopranistin, "man muss etwas bieten, verschiedene Farben in der Stimme haben, eine Stunde gestalten." Und: "Man kann nichts verstecken."

Ihren Traum von der Karriere als Sängerin träumte die gebürtige Saarbrückerin zum ersten Mal als sie dreizehn war. Damals schon studierte sie die Partituren der Mozartoper "Entführung aus dem Serail" vor dem CD-Player und sang dabei gleich alle Stimmen nach. Auch die Männerstimmen. Musikalisch vorgeprägt war sie schon im Elternhaus. Der Vater ist Musiklehrer. Mit 17 setzte sie den Gesangsunterricht durch und studierte dann an der Hochschule für Musik Saar und bei Prof. Theodore Coresi in Wien. Inzwischen ist sie fest engagiert im Opernchor des Saarländischen Staatstheaters, ist rege als Gastsängerin unterwegs - und am 30. März mit ihrem ersten, ganz frei gestalteten Liederabend zu hören.

"Frühlingserwachsen" mit Almut Hellwig, Sonntag, 30. März, 17 Uhr, Theater Leidinger. Karten unter www.ticket-regional.de

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