| 19:14 Uhr

Warum die Arbeit des Frauenbüros noch lange nicht beendet ist

Regionalverband. Seit 25 Jahren setzt sich das Frauenbüro des Regionalverbandes Saarbrücken für die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern ein. Die Frauenbeauftragte und die Fraktionen des Regionalverbands ziehen Bilanz. Dörte Grabbert

Frauen und Männer sind in Deutschland rechtlich gleichgestellt. Damit das auf kommunaler Ebene auch Realität wird, gibt es die kommunalen Frauenbeauftragten. Im Regionalverband ist das seit 25 Jahren Birgit Amrath-Schäfer mit ihrem Frauenbüro.


Das Frauenbüro wurde 1991 eingerichtet. Damit war der damalige Stadtverband Saarbrücken der letzte der fünf saarländischen Landkreise mit einer Gleichstellungsstelle. Nach Angaben von Birgit Amrath-Schäfer mussten damals und müssen noch heute in puncto Gleichstellung von Mann und Frau dicke Bretter gebohrt werden. "Die Frauenbeauftragte gilt in Verwaltung und Politik immer noch oft genug als Störenfried und Querulantin", beschreibt sie. Ihre Bilanz ist dennoch positiv: Das Frauenbüro des Regionalverbandes Saarbrücken habe Denkanstöße gegeben, Pionierarbeit geleistet. Gut funktionierende Netzwerke durch alle gesellschaftlichen Bereiche seien aufgebaut, gleichstellungsrelevante Themen enttabuisiert, neue Wege aufgezeichnet worden.

Lob und Kritik der Fraktionen

Auch die Fraktionen loben das Frauenbüro. Beharrlichkeit etwa bescheinigt Beate Dinger, Fraktionsgeschäftsführerin der SPD im Regionalverband , der Frauenbeauftragten. "Das Gleichstellungsgebot (Artikel 3 Absatz 2 im Grundgesetz) im Alltagshandeln der Verwaltung umzusetzen ist auch heute noch eine beständige Herausforderung für die Mitarbeiterinnen des Frauenbüros", sagt Dinger.

"Das Frauenbüro lenkt mit seiner Vernetzungsarbeit und seinen Veranstaltungen ganzjährig die Aufmerksamkeit auf Frauenförderung . Und wir schätzen die interne Arbeit des Frauenbüros, speziell zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sehr”, betont Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Anna Dorfner. Doch gerade bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse noch mehr getan werden. Dorfner: "Wir erwarten, dass das Frauenbüro sich ebenso wie wir Grüne für den weiteren Aufbau der Kitaplätze seitens des Regionalverbandes einsetzt." Außerdem solle sich das Frauenbüro weiter darum bemühen, innerhalb der Regionalverbandsverwaltung die Gleichstellung von Mann und Frau etwa bei Aufstiegsmöglichkeiten und Einstellungen zu verbessern.



Dass das Frauenbüro für eine Sensibilisierung gegenüber frauenspezifischen Themen in der Gesellschaft gesorgt habe, sei unbestritten, meint Norbert Moy, Fraktionsvorsitzender der CDU im Regionalverband . Allerdings, kritisiert Moy: "Die Anwesenheit der Frauenbeauftragten in den Personalgesprächen im Regionalverband und damit ihre Funktion mit Blick auf die direkte Vertretung der Interessen der Frauen die sie vertritt, ist verbesserungsfähig." Deshalb plädiert die CDU-Fraktion dafür, "die Funktion der Frauenbeauftragten mit einer Wahl durch die Mitarbeiterinnen des Regionalverbandes, deren Interessen sie vertreten soll, weiter aufzuwerten." Das fordert auch die Fraktion der Partei die Linke im Regionalverband . Bisher wird die Frauenbeauftragte vom Regionalverbandsdirektor bestellt. "Diese Praxis steht im Gegensatz zur Regelung bei kleineren Kommunen, bei der Bundesagentur für Arbeit , beim Jobcenter oder bei den Landesbehörden", sagt Dagmar Trenz, politische Geschäftsführerin der Linken-Fraktion. Viel Lob hat sie für die Gesundheitstage für Frauen und Männer übrig, die das Frauenbüro jedes Jahr organisiert. Thematisch wünscht sich Trenz dennoch mehr Veranstaltungen rund um den Wiedereinstieg von Frauen in das berufliche Leben. "Auch würden wir es sehr begrüßen, wenn die Situation der alleinerziehenden Frauen und ihre Armutssituation stärker in den Fokus des Frauenbüros genommen würden", sagt Trenz weiter. Auch Aline Wagner von der Fraktion der AFD fordert vom Frauenbüro mehr Engagement für alleinerziehende Mütter und gegen Gewalt gegen Frauen.

Und was fordert die Frauenbeauftragte? Birgit Amrath-Schäfer: "Wünschenswert wäre, dass die Handlungsspielräume der Frauenbeauftragten durch Mitbestimmungsrechte, wie sie für Personalräte selbstverständlich sind, erweitert werden, damit der Weg zur Gleichberechtigung kein unendlicher wird."

Zum Thema:

Hintergrund Die kommunale Frauenbeauftragte wirkt an der tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern mit und hilft, bestehende Nachteile zu beseitigen. Und zwar durch Frauenförderung und Gender Mainstreaming. Letzteres bedeutet, dass bei Vorhaben und Projekten die Verschiedenheit von Frauen und Männern berücksichtigt wird. So steht es auf der Internetseite des Regionalverbands. Das Frauenbüro arbeitet dabei für die Beschäftigten der Regionalverbandsverwaltung und die Bürgerinnen und Bürger. Die Frauenbeauftragte des Regionalverbands, Birgit Amrath-Schäfer, ist unter Tel. (06 81) 5 06 19 00 zu erreichen. red