„Wahnsinnige Präzision“ für die Patienten

Nach elfeinhalb Monaten Bauzeit ist der Neubau der Praxis für Strahlentherapie am Marienhaus-Klinikum fertig. Zwei hochmoderne Linearbeschleuniger stehen Patienten mit Krebserkrankung dort zur Verfügung.

Offiziell wird der Neubau der Praxis für Strahlentherapie am Marienhaus-Klinikum zwar erst in einigen Monaten eröffnet, aber der erste der beiden neuen Linearbeschleuniger ist bereits seit Anfang der Woche in Betrieb. Einige Patienten konnten schon behandelt werden. Nach und nach folgt jetzt der Umzug von der Klinik in den Neubau, in den die X-Care-Gruppe für Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie rund zehn Millionen Euro investiert hat.

Am Freitag wurde das Therapie-Zentrum vorgestellt. Hauptaugenmerk lag dabei auf den beiden hochmodernen Linearbeschleunigern, mit denen bei voller Auslastung 80 Patienten pro Tag behandelt werden. Eine "wahnsinnige Präzision" zeichne die Geräte aus, erklärte Prof. Dr. Stefan Höcht, einer der vier Strahlentherapeuten, die gemeinsam mit 16 Mitarbeitern das Praxis-Team bilden. "Dadurch wird viel weniger Volumen bestrahlt, als es früher der Fall war. Somit treten auch weniger Nebenwirkungen auf", erklärte Höcht. Zusätzlicher Vorteil: Eine Rotation, also eine Sitzung, dauert nur 90 Sekunden. Eine enormer Zeitersparnis, so Höcht, im Vergleich zu den 20 bis 40 Minuten, die eine Strahlenbehandlung sonst dauerte. So könne der Patient ohne Zeitdruck, in aller Ruhe, die Sitzungen wahrnehmen. Wichtig für die Therapie, betonte Höcht. "Außerdem ist die ganze Technik, die früher erschreckend wirkte, fast komplett versteckt", so Höcht. Und zwar im Nebenraum, wie Utto Vogelgesang, leitender Physiker der Praxis, erklärte.

Sieben Tonnen wiegt dieser gigantische Apparat, der zehn Megavolt Energie zur Beschleunigung der Elektronen für die Photonenstrahlung erzeugt. "Im Grunde sind es Röntgenstrahlen, nur sehr energiereich", stellte Vogelgesang fest. Ein eigener Transformator garantiert die Stromversorgung, die im Jahr rund 100 000 Euro verschlingt. Drei Meter dicke Betonwände und eine vier Meter dicke Decke sind für den Strahlenschutz notwendig. Damit der Untergrund dieser Masse Beton standhält, wurden 120, bis zu 16 Meter lange Pfähle als Stützen in den Boden eingelassen. Nach elfeinhalb Monaten Bauzeit war das Zentrum fertig. "Wir hatten einen strammen Zeitplan", sagt Höcht, "aber wir haben es geschafft."