Vortrag über Prostitution in Saarbrücken : Über den Umgang mit Bordell-Werbung

Sonja Dolinsek referiert am Montag in Saarbrücken über Prostitutionspolitiken im Vergleich

Sonja Dolinsek promoviert an der Universität Erfurt über die Geschichte des Umgangs mit Prostitution seit 1945 in Europa und den USA. Sie stellt einige Ergebnisse ihrer Forschung am Montag, 16. September, um 18.30 Uhr im Rathausfestsaal in Saarbrücken vor und verknüpft diese mit aktuellen Debatten über Prostitutionspolitik.

Frau Dolinsek, in Saarbrücken ist Prostitution ein großes Thema. Durch die Grenzlage kommen viele französische Kunden hierher, weil Prostitution hinter der Grenze streng verboten ist. Könnte eine Harmonisierung der Gesetzeslage in den verschiedenen EU-Ländern diese Art von „Bordell-Tourismus“ im Zaum halten?

Dolinsek: Wenn Sie damit meinen, dass alle EU-Länder Prostitution verbieten sollten, kann es meiner Meinung nach nicht die Lösung sein. Dadurch würde die Sexarbeit nicht einfach verschwinden, sondern sich in zweierlei Hinsichten verlagern. Zwar sieht Frankreich das Verbot als Chance, Prostitution abzuschaffen. Sexarbeit findet natürlich weiterhin statt, nur im Verborgenen, in Wäldern oder in Parks. Doch das sind keine sicheren Orte mit guten Arbeitsbedingungen. Außerdem wird es immer Länder geben, in denen Prostitution legal ist oder zumindest das Verbot nicht strikt eingehalten wird. Das heißt, ein Verbot in Deutschland würde das Problem lediglich bis zur nächsten Grenze verschieben.

Saarbrücken, aber auch weitere Orte direkt an der Grenze kämpfen dennoch mit dem Ausmaß des Phänomens. Wie kann das Saarland das Image als „Puff Europas“ loswerden?

Ich halte das Image-Problem für weniger wichtig als die Auswirkungen des Verbots in Frankreich. Aber auch dafür gibt es keine einfache Lösung. Die Städte und Gemeinden können versuchen, die Zahl der Bordelle zu deckeln. Doch solange in Frankreich diese starke Anti-Prostitutions-Haltung herrscht, werden Kunden die Bordelle auf der deutschen Seite besuchen. Das ist nichts Neues. Diese Entwicklung gibt es seit 60 Jahren.

Auch ohne die Prostitution verbieten zu wollen, stören sich in Saarbrücken viele an der Bordell-Werbung zum Beispiel auf großflächigen Plakaten oder auf Taxis. Diese Reklame ist für die Stadt kein positives Aushängeschild und stellt die Frauen als käufliche Waren dar. Was halten Sie davon?

Eine Prostituierte wartet auf ihrem Zimmer in einem Bordell auf einen Kunden. Foto: dpa/Andreas Arnold

Dolinsek: Ich bin nicht grundsätzlich gegen Bordell-Werbung. Ich habe mir aber ein paar Beispiele aus Saarbrücken angeguckt und finde sie tatsächlich einen Tick zu krass. Sie vermitteln zudem ein falsches Bild der Selbstbestimmungsrechte in der Sexarbeit. Eine Möglichkeit der Regulierung wäre zum Beispiel, dass diese Anzeigen nur noch aus reinem Text bestehen, ohne dass Frauen in sexualisierten Positionen dargestellt werden. Außerdem könnte man über die Einführung von Ausgleichen für solche Werbungen nachdenken. Bordellbesitzer, die eine großflächige Plakatwerbung aufstellen, könnten verpflichtet sein, auch in Kampagnen für Frauenrechte und die Rechte von Sexarbeitern zu investieren.

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