Vorhersehbare und gefällige Untermalung eines Stummfilms

Seit acht Jahren läuft im Kino Achteinhalb die Reihe „CinéConcert“, eine Kooperation mit der Hochschule für Musik Saar: Studenten der Improvisationsklasse von Jörg Abbing vertonen unter dessen Leitung und Mitwirkung live alte Stummfilmklassiker, dazu gibt es eine Einführung von Waldemar Spallek (Kino Achteinhalb). Immer wieder für eine Entdeckung gut ist dabei Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, dessen Sozialdrama „Der letzte Mann“ (1924) am Freitag und Samstag zahlreiche Zuschauer lockte.

Der Streifen war Murnaus erste Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Emil Jannings, der etwa durch seine Darstellung des Mephisto in Murnaus Goethe-Verfilmung "Faust" oder in Josef von Sternbergs "Der blaue Engel" als "Professor Unrat" Filmgeschichte schrieb. Hier brilliert er als eitler und nur aufgrund seiner Uniform zuhause im ärmlichen Hinterhof-Milieu respektierter Portier eines großen Hotels, der wegen Altersschwäche zum Toilettenmann degradiert wird und einen bitteren sozialen Abstieg erlebt.

Das märchenhaft gute Ende, das die harte Gesellschaftskritik des Films deutlich mildert, wurde als Zugeständnis an die Produzenten hinzugefügt. Dennoch erwies sich Murnau formal erneut als wegweisend; Ufa-Kameramann Karl Freund hantierte erstmals mit der beweglichen, sogenannten "entfesselten Kamera".

Leider schien den Musikstudenten diesmal trotz einiger "Überraschungsinstrumente" nicht viel einzufallen: Mit Bratsche, Flöten, Akkordeon, Cajon und Klavier konzentrierten sie sich auf recht vorhersehbare und gefällige Untermalung mit wenig packenden Spannungs- und Reibungseffekten. Als heikel erwies sich wieder einmal der Einsatz der menschlichen Stimme, weil sie das Pathos rührseliger Szenen unkommentiert erhöhte.