Von wegen geschlossene Gesellschaft

Die Freimaurerei ging im Mittelalter aus Steinmetzbruderschaften hervor. Über die Jahrhunderte wurde sie eine weltumspannenden Bruderkette. Und: Schwesterketten. In Saarbrücken gibt es eine Loge nur für Frauen.

"Wie Freimaurerinnen? Ich dachte, das wären nur Männer", bekommt Sylvia Gräber oft zu hören, wenn sie sich outet, dass sie zu einer Freimaurerinnen-Loge namens Perpendiculum in Münster gehört. Erst seit 1949, verglichen mit Frankreich sehr viel später, gibt es auch in Deutschland weibliche Logen. Bewusst wollen sie nicht mit den Männer-Logen fusionieren, so Gräber , doch auch vom "radikalen Feminismus" grenze Frau sich ab. Noch sehr jung ist die Saarbrücker Frauenloge "Europa im Licht", die erste und bisher einzige Frauenloge im Saarland. Die derzeit elfköpfige Gruppe wünscht noch ein paar mehr Mitglieder, sprich: Schwestern .

Bei einem offenen Gästeabend stellte die Journalistin Gräber in ihrer Funktion als Großrednerin im Saarbrücker Logenhaus daher jetzt die Geschichte und das Anliegen der Freimaurerei vor. Dass sie, so auch für die 20 interessierten Gäste, mit sehr viel Geheimnis umgeben ist, erklärte Gräber einerseits historisch. "Wir sind eine Werte-, Ritual- und Diskursgemeinschaft", so die Referentin. Der freie Meinungs- und Gedankenaustausch, wie ihn die Freimaurer auf der Basis von Humanität, Aufklärung und Toleranz kultivieren, galt in früheren, vordemokratischen Jahrhunderten als gefährlich. Geblieben sei die Pflege von "Verschwiegenheit und Diskretion". Die offene Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, ohne sie gleich zu bewerten, machen die Logen laut Gräber heute zu idealen Brückenbauern in der zerrissenen Gesellschaft. Die Rituale, die man pflege, ermöglichten, wie eine Saarbrücker Freimaurerin ergänzte, einen "emotionalen Zugang". Man könne sie heute sogar im Internet nachlesen. Doch sie riet davon ab, denn das wäre wie ein Geschenk schon vor Weihnachten auszupacken. "Sich gegenseitig in der Weiterentwicklung zu unterstützen, einander Vorbild zu sein", nennt Gräber eine besondere Qualität der Logen, die alle ihre Mitglieder in verschiedenen Ämtern zum aktiven Mittun aufforderten. Die Logen befassten sich mit wichtigen Zeitthemen wie etwa "Laizität", die auch auf internationalen Kongressen behandelt würden.

Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 20 Euro.

Kontakt: Tel. (0 68 26) 5 24 02 22.