Von Rössl und schwarzem Reiter

Gehören Sie zu den Menschen, die "Das weiße Rössl" nur in der Version mit Peter Alexander ertragen und sonst bei modern inszenierten Operetten Pickel bekommen? Das ist Ihr gutes Recht, und auch ich persönlich werde bis an mein Lebensende Peter-Alexander-Fan sein.

Aber in diesem Fall muss ich Ihnen dringend davon abraten, sich im Staatstheater den "Black Rider" anzuschauen. Sie werden sich wahrscheinlich nicht amüsieren. Wenn Sie aber zu den Leuten gehören, die zwar vielleicht auch Peter Alexander lieben, aber dennoch oder gerade drum einen Heidenspaß am Schrägen, Wider-den-Strich-Gebürsteten haben, dann müssen Sie da unbedingt noch rein. Am Donnerstag, 19.30 Uhr, ist das Musical von Tom Waits leider zum letzten Mal zu sehen. Schade, denn man erlebt bei dieser abgedrehten Variante des "Freischütz" einen musikalisch mitreißenden Abend. Das Ensemble singt sich aus höchsten Nöten heraus, das Bühnenbild ist ein Hingucker, und Roman Konietzny ist nicht nur ein teuflisch guter Stelfuß und Strippenzieher, er hat auch noch eine gute Stimme. Das Leben ist ungerecht, wirklich. Nicht nur, weil Talente unfair verteilt sind. Auch weil es manchmal die interessantesten Produktionen sind, die doch beim Publikum nicht so recht ziehen. Dabei lohnt beim "Black Rider" allein schon der Blick in den Orchestergraben, wo die Brüder Rynkowski und die Band ein ganzes Arsenal an spannenden Instrumenten auffahren und dem eigentlich ja auch schon in die Jahre gekommenen Musical etwas unerhört Heutiges geben. Sorgen Sie für Gerechtigkeit. Gehen Sie hin. (Karten: Tel. 0681/3092-486).