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Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar

Mahnmale sind manchmal etwas schwer verdaulich, schließlich mahnen sie uns. Und das setzt voraus, dass wir irgendwas nicht oder nur unzureichend gemacht haben – oder man unterstellt es uns.

Wer lässt sich schon gern ermahnen? Denkmale sind besser. Jedenfalls solange sie unsere Gedanken nicht in irgendeine Richtung zwingen wollen. Am liebsten sind mir Erinnerungsorte. Sie schlagen mir vor, mich zu erinnern, und überlassen es mir, ob und wie ich's mache. Meist geh' ich da schon hin, um mich zu erinnern. Ich mag Erinnerungen. Wenn die Besucher des Rabbiner-Rülf-Platzes sich daran erinnern, wie viel Glück sie haben, dass sie heute und nicht 1936 leben - und wenn sich das auch noch mit angenehmen Erinnerungen an ihre Zeit auf dem Platz verbindet, dann ist schon viel geschafft. Ich glaube, die Namen der Opfer können ruhig auf Metalltäfelchen an der Mauer zur Saar verewigt sein. Das wird dem "Unterbrochenen Wald", also den Skulpturen auf der Treppe, ein wenig die Schroffheit nehmen und dem Platz eher das Flair eines Erinnerungsortes geben. Was ja ursprünglich auch gewollt war. Von Mahnmal war nämlich zu Anfang gar nicht die Rede. Jetzt geht's halt noch um die Namen von Menschen, die gelebt haben, geliebt haben und geliebt wurden. Mit diesen Namen an der Wand könnte - in der Sonne auf der Treppe - eine Atmosphäre wachsen wie in Dietrich Bonhoeffers Gedicht aus dem KZ: "Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar." So würde der Rabbiner-Rülf-Platz bestimmt ein beliebter Erinnerungsort. Dann fehlt uns nur noch ein Platz, der an Leute erinnert, die damals für die Opfer kämpften. Aber da hab' ich auch schon eine Idee: Wir nehmen den Landwehrplatz - und machen ihn zum Willi-Graf-Platz. Die Landwehr brauchen wir heute kaum noch. Typen wie Willi Graf schon. Schließlich muss ja auch jemand den Rabbiner-Rülf-Platz beschützen - genau wie die ganze Republik und die Würde des Menschen.