Von Fischen und Depressionen

In der Geschichte geht's um einen Menschen mit Depressionen. Carl Rolshoven agiert als Produzent, Peter Matthies als Drehbuchautor. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Jetzt starten die Dreharbeiten.

Spielen ein Paar mit Problemen: Inga Lessmann und Ali Berbers.
Carl Rolshoven

"Das ist eigentlich wie 'ne Fernbeziehung zwischen uns", erklärt Carl Rolshoven und lacht. Der große, blonde, kurzhaarige Mittzwanziger mit Brille arbeitet beim Saarländischen Rundfunk und hat nun ein neues, eigenes Projekt. Peter Matthies und er drehen den Kurzfilm "Fisch über Bord". Im August sind die Dreharbeiten, im Herbst dieses Jahres wird der Fisch dann über Bord geworfen, und der Film soll fertig sein für die anstehenden Filmfestivals. Peter, der Drehbuchautor arbeitet momentan in Düsseldorf, Skypegespräche finden häufig und lange statt. Da komme es natürlich auch zu Auseinandersetzungen, bestätigen beide. Aber das gehöre dazu. Letztes Jahr zum Beispiel: Peter wollte endlich konkret werden. Den Film umsetzen, mit den Dreharbeiten beginnen, so wie anfangs angedacht. Carl hat das als Produzent anders gesehen und ihn überredet, ein weiteres Jahr zu warten. So ein Projekt will gut vorbereitet sein. Fördergelder müssen beantragt werden, alles detailliert geplant sein. Das sei die richtige Entscheidung gewesen, gibt der Literatur- und Musikwissenschaftler Peter jetzt zu. Mittlerweile ist die ungefähr 15-köpfige Crew ein gutes Team geworden. Carl und Peter haben schon ein Hörspiel zusammen produziert, die anderen Mitglieder haben sie über Kontakte gefunden. Die Schauspieler in den Hauptrollen Ali Berbers und Inga Lessmann kannten sich zwar vorher nicht, haben aber von Beginn an harmoniert. Der Inhalt des Films lässt sich über den Titel erklären. Fällt ein Crewmitglied unglücklicherweise vom Schiff, ruft der Matrose: "Mann über Bord." Sollte ein Fisch das Boot verlassen, klingt das erst einmal nach einem Paradoxon. Erstens: Ein Fisch ist selten an Bord, außer es handelt sich um ein Fischerboot. Zweitens: Sollte er von Bord ins Wasser fallen, wäre das für ihn keine Notsituation, denn er würde wieder zurück in seinen natürlichen Lebensraum gelangen. Gustav, dem Protagonisten des Films, geht es ähnlich. Er ist über Bord gefallen und eigentlich in seinem natürlichen Lebensraum gelandet - im Leben. Wohl fühlt er sich trotz allem nicht, das Leben ist für ihn eine Qual. Gustav hat Depressionen . Er schwimmt irgendwo im Meer negativer Gedanken. Dort lernt er auch seine Freundin Lotte kennen. "Zwischen den beiden entsteht eine Art Kriegsschauplatz, sie kämpfen für sich, für den anderen, aber auch gegeneinander", erklärt Peter. Depressionen sind ein Thema, das viele kennen, auch die Initiatoren des Projekts hatten schon persönliche Erfahrungen mit Menschen, die unter dieser Krankheit leiden. Die Hilflosigkeit der Angehörigen, das irrationale Denken der Erkrankten, der Film dringt psychologisch in tiefe Bereiche ein. In diesen Tagen beginnen die Dreharbeiten. Nur wenig Geld steht zur Verfügung. Schauspieler und Crewmitglieder erhalten mindestens ihre Lebenshaltungskosten und genau deswegen ist es Peter und Carl auch so wichtig, dass das Ergebnis stimmt. Sie wollen nicht an Equipment wie Kamera oder Licht sparen. Darunter solle die Qualität, laut Carl, nicht leiden. Um die Ansprüche zu erfüllen, haben die beiden neben den Förderanträgen auch die Crowdfundingplattform startnext genutzt. Hier konnten Fans das unterstützen und bekommen dafür zum Beispiel sogar mal eine Komparsenrolle. Ende Juli lief das Crowdfunding aus. Ihr finanzielles Ziel haben die Filmemacher erreicht.

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