Von echten und unechten Fans

Liebe Fans des FC Bayern München. Jetzt wisst ihr nach langer Zeit also auch mal wieder, wie es ist, traurig zu sein.

Wie es ist, am Tag nach einem Fußballspiel schlecht gelaunt zu sein. Wie es ist, nicht an eine Partie erinnert werden zu wollen oder auf der Arbeit von den Kollegen aufgezogen zu werden.

Es gibt ja Menschen, die sagen, dass Bayern-Fans keine echten Fußballfans sind. Sie würden nicht das Gefühl von Verzweiflung und Hass, von tiefer Depression und Hoffnungslosigkeit kennen. Sie wären nie alleine, würden quasi mit dem Goldenen Pokal im Mund geboren. Ein Fan-Leben auf der Sonnenseite des Balls.

Wenn es nach dieser Definition ginge, dann gäbe es bei den saarländischen Traditionsvereinen verdammt viele "echte" Fußballfans. Denn zu leiden gibt es immer was. Zum Beispiel beim FC Homburg mit jetzt schon sechs Niederlagen in Folge. Was Wunder, dass momentan weniger Fans ins Waldstadion pilgern als noch vor Kurzem.

Zu leiden haben sie auch bei Borussia Neunkirchen. Auch im marode-charmanten Ellenfeld, in das in den 50er und 60er-Jahren noch Zehntausende strömten, verlaufen sich immer weniger Anhänger. Dass man sich für Tradition nichts kaufen kann, wissen auch die Fans des 1. FC Saarbrücken nach dem Drittliga-Abstieg. Zumal es bei Inkompetenz in der sportlichen Führung und fehlenden Strukturen wohl nie besser werden wird.

Also, wer sind jetzt die "echten" Fans? Ob die Wahrheit wohl wie so oft in der Mitte liegen mag? Immerhin, liebe Bayern-Fans, seht es mal positiv: Wer mal wieder richtig Hunger hat, dem schmeckt der Erfolg auch wieder viel besser.