Vom Kino in den Schweinestall

Wo Zuchtvieh lebt, ist viel zu messen. Darüber machte sich ein kluger Kopf Gedanken und transportierte sie gewitzt ins Publikum. So soll's sein, wenn junge Forscher neues Wissen unters Volk bringen wollen.

Einen Affen und sechs verrückte Wissenschaftler. Mehr brauchte es nicht am Freitagabend, um die Camera Zwo vollzubekommen. Dort gab es einen Wettstreit im Dienste der Wissenschaft, einen Science Slam. Der Poetry Slam ist schon seit vielen Jahren populär. Inzwischen findet diese Form des Wettstreits Fans unter jungen Leuten, die wissenschaftliche Themen in allgemeinverständliche zehnminütige Vorträge verwandeln wollen.

Wie das geht, zeigte der Regionalwettbewerb Süd 2014. "Dichterdschungel", ein Verein, der die Slamkultur in Saarbrücken fördern will, war für die Organisation zuständig. Deshalb steckte der Schiedsrichter, der die Slammer nach zehn Minuten von der Bühne geleitet, im Affenkostüm. Ob Philosophie, Physik, Kulturwissenschaften oder Informatik: Die Vielfalt der Fachbereiche zeichnet den Science Slam aus.

Im ersten Vortrag beantwortet Matthias Warkus scheinbar banale Fragen. Etwas nach dem Unterschied zwischen einem Bierkasten und einem Kasten Bier. Antwort: Einen Kasten Bier kann man trinken. Einen Bierkasten nicht.

Einfach ist es nicht, komplizierte philosophische Themen kurz und überdies lustig zusammenzufassen. Das Publikum ist gut unterhalten, aber um lautes Lachen herauszukitzeln, ist einiges zu tun. Informatikprofessor Holger Hermanns nutzt sein Heimspiel souverän mit dem Vortrag "Danke ist nicht immer 3-lagig", in dem er die Vorteile einer Bildschirmpräsentation preist. Merke: Wer reich bebildert und animiert, hat das Publikum auf seiner Seite. Hermanns zeigt nicht nur Diagramme, sondern überrascht mit Informatikern als Superhelden. Und mit toten Schweinen. Zudem holt er aus einem Köfferchen zwei Klopapierrollen und vergleicht sie mit dem zylindrischen Mittelteil eines Schweinekörpers. Dann erläutert er, wie die richtige Temperatur in einem Schweinestall per Chip messbar ist, der einem "armen Schwein" unter die Haut gepflanzt wird. Die Batterie habe die Lebenszeit eines Tieres, etwa 100 Tage. Das Publikum ist beeindruckt.

Ein Vortrag dreht sich um das Miteinander in der digitalen Welt. Dong-Seon Chang fragt: Wen würdet ihr auf eine einsame Insel mitnehmen? Während das Publikum bei der Wahl der Begleiter eher auf Gebärfreude oder Bärte achtet, haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Kleidung eine große Rolle spielt. Am meisten würden wir Menschen in weißen Kitteln vertrauen.

Chang verpackt sein Wissen in so viel Sprachwitz, dass er die Konkurrenz an diesem Abend hinter sich lässt. Für den Sieg in Saarbrücken belohnt Chang die Teilnahme am Bundeswettbewerb in Berlin.