Vom Hessenweg zum Löscheinsatz

Ihre Arbeitsplätze gehören zu den spannendsten in St. Johann. Vom Hessenweg rücken Berufsfeuerwehrleute zu Tausenden Einsätzen aus. Und sie halten den 760 Freiwilligen Feuerwehrleuten Saarbrückens den Rücken frei. Damit die sich nicht um den Kauf der Ausrüstung kümmern müssen. Sondern sich aufs Wesentliche konzentrieren können. Leben retten.

Sicherheitsstiefel und Spezialhosen sind zum Reinspringen bereit auf dem rot gekachelten Boden geparkt. Direkt am Wagen. An großen Haken daneben hängen robuste Einsatzjacken, hitze- und säurefest. Modernes Rüstzeug für den Einsatz in der Flammenhölle. Die mit Bedacht platzierte Ausrüstung, die immer startklaren Autos, vollgepackt mit Geräten - all das lädt die Stille in der großen Halle mit einer eigenartigen Spannung auf, signalisiert: klar für den nächsten Alarm. Immer. Ob es um den Wespenschwarm geht. Oder eine gigantische Wand aus schwarzem Rauch und Flammen. Wo Retter kiloweise Gewicht verlieren. Nur vom Schwitzen, umzingelt von Hitze und todbringendem Rauch. Drei Kisten Mineralwasser stehen zum Löschen nach dem Brand da.

Zwei Metallstangen führen aus dem Obergeschoss in die hohe Wagenhalle der Feuerwache 1. Sie sind der schnellste Weg zu den Wagen. Hier stehen die Drehleiter, ein Tanklöschfahrzeug, ein Rüstwagen mit Spezialgeräten, ein Hilfeleistungsfahrzeug, vielseitig einsetzbar wie die berühmten Messer aus der Schweiz. Hier wartet das Kleineinsatz-Fahrzeug für den Bienenstock-Alarm ebenso wie der rotweiß lackierte Sprinter zum Leiten großer Einsätze. Eine Art Retter-Werkzeugkasten, der sich jedem Einsatz anpassen lässt, kombiniert vom Rechner und der unschätzbar wertvollen Erfahrung der Männer in der benachbarten Haupteinsatzzentrale. Um die 4000 Einsätze pro Jahr koordinieren sie für Saarbrücken und die übrigen Regionalverbandskommunen.

Wenn's drauf ankommt, lassen die Männer und drei Frauen von der Berufsfeuerwehr alles stehen und liegen. Die Arbeit an den Funk- oder Atemschutzgeräten in den Werkstätten. Den Bericht am Computer. Den Kochlöffel, der gerade noch die Soße fürs Mittagessen umrührte. Ein Druck auf den Notschalter, und die Küche ist aus. Dafür füllt sich bei Alarm die Halle schlagartig mit Leben. Dann nimmt jeder seinen Platz im Auto ein, schultert schon das Atemschutzgerät, während die Motoren losbrüllen. Und ab geht's.

Spätestens eine Minute nach dem Alarmgong rollt der Löschzug aus dem Hessenweg. Martinshörner und Blaulicht bahnen ihm den Weg durch das Verkehrsgetümmel. Schließlich verliert sich ihr Lärm im Dauerrauschen der Großstadt.

Dann kehrt die Stille zurück. Und in der ganzen Zeit haben Menschen am Hessenweg weitergearbeitet. Dort ist nicht nur einer der beiden Löschzüge der Berufsfeuerwehr Saarbrücken rund um die Uhr einsatzbereit, mit dem zwölf der Feuerwehrbeamten sofort ausrücken können. Der zweite Löschzug steht für ein zehnköpfiges Team in der Wache 2 an der Weißenburger Straße in Burbach.

Das ist nicht der einzige Unterschied. Am Hessenweg mit seinen kantigen Betonbauten aus den Siebzigern ist die Verwaltung zu Hause.

Dort leiten Josef Schun und sein Stellvertreter Ingo Wagenknecht die einzige Berufsfeuerwehr (BF) im Saarland mit 189 Beamten. Und sie sind verantwortlich für das große Servicezentrum, auf das alle Saarbrücker Feuerwehrleute zurückgreifen.

Auch die 760 Freiwilligen, ohne die Rettungsarbeit in der Landeshauptstadt undenkbar wäre. Sie rücken je nach Einsatz allein aus, oder sie bilden, alarmiert vom Hessenweg aus, mit der BF Teams, um jedem Unglück gewachsen zu sein. Wagenknecht: "Wir kümmern uns von hier aus für ganz Saarbrücken um die Anschaffung der Fahrzeuge, der Schutzkleidung, warten Atemschutzgeräte und andere Ausrüstung. Das Regelwerk wird immer umfangreicher, und die Feuerwehr muss auf dem neusten Stand sein. Das sind wir. Und halten so unseren Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr den Rücken fürs Retten frei. Damit zeigen wir, dass wir das Ehrenamt schätzen, wie es ja landauf, landab verlangt wird."

Als er das sagt, erfüllt der vielversprechende Duft einer Tomatensoße das Haus am Hessenweg. Und der Lautsprecher kündet nicht vom nächsten Einsatz.

Sondern vom Mittagessen. Selbst gekocht, wie es sich für die Berufsfeuerwehr gehört. Spaghetti Bolognese. Wenn's dann draußen heiß hergeht, werden die Nudeln eben kalt - an diesem ganz besonderen Arbeitsplatz in St. Johann.