Vom Fond sieht alles anders aus

Diesmal erlebte SZ-Redakteur Frank Kohler die Mosel aus ungewohnter Perspektive.

Meinung:

Vom Fond sieht alles anders aus

"Ich fahre." Mit diesen Worten unseres Bekannten begann ein fantastischer Samstag. Schon der Gedanke an so viel Moselromantik tat gut. Erst nach Trier sollte es gehen, dann ins Moseldorf Longuich und von dort wieder nach Hause. Zu viert diesmal. Die französischen Chansons aus den vielen Lautsprechern der Bord-Anlage legten sich wie ein flauschiger Teppich über die kaum wahrnehmbaren Reste des Motorengeräuschs und das Säuseln der Klimaanlage. Ich konnte in aller Ruhe meinen Blick in schöne Gehöfte, Wäldchen und Flussläufe verhaken, bis die nächste Impression ins Bild glitt und langsam hinter uns verschwand. Am Steuer bleibt für so langes Nachsinnen über die Schönheiten des Saarlandes nicht annähernd so viel Zeit. Da muss ich auf den Asphalt vor, hinter und neben mir achten, darf mir nicht allzu viel Gemächlichkeit gönnen. Viele haben es sogar samstags so furchtbar eilig, in nördlich gelegene Gefilde zu entschwinden, dass sie blinkend und hupend voranpreschen. Dem Fahrtgenuss im Fond folgten ein tolles Essen mit guten Gesprächen. Dass ich mir zwei Glas Wein gönnte, liegt auf der Hand, wenn ein anderer fährt. Beim nächsten Mal steht wieder Traubensaft plus Mineralwasser auf meinem Getränkeplan. Und der Wein bleibt in der Flasche. Denn dann sitze ich am Steuer.