VocArt und Heavenly Wood: Hörgenuss mit Schnaufern

Das Festival Tamis, die Tage Alter Musik im Saarland, machte Station in der Stiftskirche: Das St. Arnualer Gotteshaus wurde im 14. Jahrhundert erbaut, passend hierzu erklang internationale Vokal- und Instrumentalmusik des 15. und 16. Jahrhunderts von Josquin Desprez (1450 bis 1521), Ludwig Senfl (1490 bis 1542), Heinrich Isaac (1450 bis 1517) und Marc'AntonioIngegneri (1535 bis 1592). "Das Programm hat meditativen Charakter", kündigte Adolph Seidel, Chef des Ensembles VocArt, zur Eröffnung des Konzerts sogleich an - es rankte sich um Senfls Chorkomposition "Da Jesus an dem Kreuze hing". Dass die sakrale österliche Vokalpolyphonie der Renaissance durchweg spannend inszeniert wurde, war Seidels lebendigem Zugriff zu danken. Der Chorleiter wählte goldrichtige Tempi: zügig, und dennoch ein natürliches Sich-Aussingen und Atmen gewährend. Mit ebenso präzisen wie organischen Dirigierbewegungen machte Seidel Details im Stimmengeflecht hörbar; und vor allem war stets, kaum merklich, der rhythmische Puls fühlbar. So konnte VocArt beeindruckende Sangesqualitäten zeigen - ein Hörgenuss!

Harmonisch klappte das Miteinander der Choristen mit den Instrumentalisten von Heavenly Wood, die bei der Begleitarbeit dienend und unterstützend im Hintergrund blieben. Heavenly Wood spielt Nachbauten historischer Instrumente wie Renaissance-Flöten und -Posaunen, Dulzian, Krummhorn, Doucaine, Rankett, Laute. Wenn die Musiker unter Leitung von Bernhard Stilz mit Zwischenspielen und Instrumentalkompositionen in den Vordergrund traten, musste der selig meditierende Hörer angesichts der zur Schräge neigenden, teils äußerst nasalen Timbres jener Epoche schon mal tief Luft holen. Dennoch: eine authentische Ergänzung und verdient kräftiger Schlussapplaus.

Nächster Saarbrücker Termin im Rahmen des Tamis-Festivals: Sonntag, 2. April, 17 Uhr, Kirche St. Eligius Völklingen: Orgelmusik zur Reformation mit Andreas Mehs.www.alte-musik-saarland.de