Viele Schiffsreisende bleiben über Nacht

Saarbrücken. Ruhig liegt er da, der Saarbrücker Osthafen. Nur auf der Ostspange rauschen in der Ferne Autos vorbei, deren Lärm unten am Wasser nur noch dumpf zu hören ist. Über das Gelände des Motorboot-Clubs Saar kommt man zum Yachthafen, dessen Betreuung der Club übernommen hat

Saarbrücken. Ruhig liegt er da, der Saarbrücker Osthafen. Nur auf der Ostspange rauschen in der Ferne Autos vorbei, deren Lärm unten am Wasser nur noch dumpf zu hören ist. Über das Gelände des Motorboot-Clubs Saar kommt man zum Yachthafen, dessen Betreuung der Club übernommen hat. "Wir sind auch für den Gästesteg der Stadt zuständig", erzählt Hafenmeister Johannes Hunger, ein waschechter Hamburger, der seit 1984 im Saarland lebt. Die Nähe zum Wasser möchte er nicht missen. Viele Gäste habe man in den vergangenen Wochen schon gehabt. Am Tag zuvor waren es sieben, heute noch vier. "Aber das ändert sich am Abend", weiß er aus Erfahrung. "Die Schleusen in Frankreich schließen um halb sieben. Viele legen dann am Gästesteg an und bleiben über Nacht, bis sie weiterfahren können."

Manche sind auch länger da, so wie zum Beispiel Erwin Kraus. Er bleibt mit seiner Frau Brigitte sogar noch zwei Nächte. Dem Paar gefällt es gut im Saarbrücker Hafen. "Wir sind sehr begeistert von dem Gästesteg hier", sagt der Mann aus Kehl.

Bei ihm hat der Bootsurlaub schon Familientradition. "Früher haben wir uns Boote gemietet und sind mit allen vier Kindern meist zu Wasser in die Ferien gefahren." Später, als die Kinder aus dem Haus waren, hat sich das Ehepaar kurzerhand selbst ein Boot zugelegt. "Wir wollten uns die schönen Zeiten von damals irgendwie konservieren." Ehefrau Brigitte fährt gern mit ihrem Mann in Urlaub, nicht nur, weil dann immer er kocht und sie mal wirklich Urlaub hat.

Am Abend wollen die beiden mit den Rädern, die am Bug befestigt sind, in die Innenstadt fahren und eine Kleinigkeit essen. "Bei extrem hohen Temperaturen ist das Kochen in der Kajüte beinahe unmöglich", sagt Brigitte Kraus. Das zweistöckige Boot ist nach ihrer Mutter benannt, "Anabel", die kurz nach dem Kauf des Schmuckstückes starb. Tauschen möchten die beiden ihr Boot mit nichts. "Da weht einem ein Hauch Freiheit um die Nase", findet Erwin Kraus. In ein oder zwei Nächten soll es weitergehen auf der Route. Nancy, Metz und Luxemburg hat die "Anabel" schon passiert.

Gästesteg-Nachbar Helmut Klinker will mit seinem Sportboot "Hobby" noch weiter nach Straßburg, dem Ziel seiner 500 Kilometer langen Reise. Der Bootsname ist hier Programm, denn gemeinsame Touren mit seiner Frau, die gerade ein Nickerchen in der Kajüte macht, sind sein liebster Zeitvertreib. Erst vor einer Stunde hat das Ehepaar aus Lampertheim am Rhein hier angelegt. Wenn es nicht regnet, wollen auch er und seine Frau mit den Rädern ein bisschen die Landeshauptstadt erkunden. "Fahrräder dürfen auf keinem Boot fehlen, sonst ist man schnell aufgeschmissen. Die Häfen liegen oft etwas abseits", sagt der 69-Jährige. Hinter ihm liegen Prospekte und Hefte auf dem Tisch. Das sind Teile des Gastgeschenkes der Stadt Saarbrücken, denn jedem, der hier anlegt, überreicht Hafenmeister Hunger ein Gästepaket. "Da ist ein Stadtplan drin, und das Paket bietet sehr viele Informationen, was man alles in Saarbrücken und im Rest des Saarlandes machen kann", so der Rentner.

Gute Ausstattung

So einen Steg wie hier in Saarbrücken habe er selten gesehen, schwärmt er weiter. Wasser- und Stromanschluss, ordentliche Toiletten und Waschräume und sogar eine Waschmaschine könne er hier nutzen. Das sei kein Standard.

Ein paar Meter weiter liegen die Boote der Club-Mitglieder, viele davon sind mit Planen abgedeckt. Zwischen den Stegen blühen Seerosen in Gelb und Pink. Ein paar Wasservögel schrecken weiter weg auf, als Horst Walsch seinen Motor anschmeißt. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich bei seinem Gefährt tatsächlich um etwas Fahrtüchtiges handelt. Er hat sich einen Ponton umgerüstet, eine Biergarnitur mit drei Sonnenschirmen montiert, ein Geländer befestigt und ein an ein Piratenschiff erinnerndes Steuerrad angebracht. "Zu Hause in Merzig habe ich noch ein Boot. Das hier ist nur Hobby", erklärt der 74-Jährige, der zu den Gründungsmitgliedern des Motorboot-Clubs gehört und am liebsten die "Sauerkrauttour" über Mosel und Rhein fährt. Immerhin zwölf Kilometer pro Stunde bringt das Motor-Floß. Und es scheint immer wieder ein kleines Spektakel zu sein, wenn Horst Walsch seine Runden dreht. Auch für andere Clubmitglieder, wie Albert Ruppert, der seinem Vereinskompagnon lachend hinterherschaut, als der seine Fahrt durchs Hafenbecken antritt.

Ruppert steckt mitten in den Vorbereitungen für ein ganz anderes Spektakel: das Saar-Spektakel am Wochenende. "Ich putze mein Boot auf Hochglanz. Schließlich liege ich während des Festes von Donnerstag bis Montag am Staden damit." Sein Boot ist ein Erbstück: "Mein Onkel hat mit 77 Jahren den Bootsführerschein gemacht, kurz drauf ist er verstorben. Seitdem haben mein Cousin und ich das Boot übernommen", erinnert er sich. Am Gästesteg wird es voller, ein Holländer hat angelegt. Der Motor-Ponton ist derweil schon fast hinter der Ostspange verschwunden.

Helmut Klinker.
Brigitte und Erwin Kraus auf ihrem Boot.
Albert Ruppert putzt sein Boot. Zum Saar-Spektakel am Wochenende soll es schließlich tipptopp sein.