Viele Klappen statt vier Saiten

Man muss virtuos auf dem Fagott sein, um es zu wagen: Mit dem Collegium Instrumentale Saarbrücken spielt Guilhaume Santana am Wochenende Hadyns Violinkonzert Nr. 2 –G-Dur.

. Guilhaume Santana, Fagottist der Deutschen Radio Philharmonie (DRP), ist virtuos genug, es zu wagen: Er wird ein Violinkonzert auf dem Fagott spielen. Das Collegium Instrumentale Saarbrücken, ein seit 1974 bestehendes Orchester, hat den Solisten für ein Konzert für Streicher und Fagott angefragt.

Santana hatte zehn Jahre Violine gespielt, bevor er sich ganz dem Fagott verschrieb. Das schier unermessliche Repertoire für Violine in guter Erinnerung, mag er sich der Begrenztheit der Auswahl für Solofagott nicht unterwerfen und wagt das Experiment. Das 2.Violinkonzert G-Dur von Joseph Haydn spielen Profigeiger nur selten, Teilnehmern von "Jugend musiziert" ist es geläufig, auch Santana hatte es noch zu Hause liegen: "Ein leichtes Konzert für Geige, ein megaschweres für Fagott." Er spielt es vom Blatt, ohne zu transkribieren, eine bis zwei Oktaven tiefer, und da, wo die Violine zu kompliziert wird, hält er den Ton, das Orchester spielt weiter, alles bleibt im Takt.

So unüblich sei so ein Notentausch nicht, erzählt er: Vivaldi habe einige seiner vierzig Fagottkonzerte nicht fertig komponiert und mit der Empfehlung, "einfach den zweiten Satz aus dem Cellokonzert nehmen," versehen. Was spielbar oder umsetzbar war, wurde gemacht.

An einem Violinkonzert wäre ein Fagott der Barockzeit allerdings wegen seiner Bauweise gescheitert. Haydns Violinkonzert betont die Melodie, auch auf dem Fagott klingt es wunderbar. Spätere Komponisten wie Brahms oder Schumann planten das klingende Zusammenwirken des Orchesters so präzise, dass ein Austausch von Instrumenten ihren Werken Gewalt antäte. Hadyns Violinkonzert auf dem Fagott gespielt klingt nicht skurril, es zeigt seine ganze Schönheit und das Können des Solisten.

Dirigiert wird das Collegium Instrumentale Saarbrücken vom Oboisten und DRP-Kollegen Vilmantas Kaliunas. Konzerttermine sind am 13. Juni, 18 Uhr, in Homburg-Schwarzenacker in der Christuskirche und am 14. Juni, 20 Uhr, im Großen Sendesaal auf dem Saarbrücker Halberg.