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„Vergesst die Loreley!“

Flussbraut: Die Tänzerin Geraldine Rosteius vom Ensemble Band à Part aus Köln bei einer der „fließenden“ Aktionen. Foto: Oliver Dietze
Flussbraut: Die Tänzerin Geraldine Rosteius vom Ensemble Band à Part aus Köln bei einer der „fließenden“ Aktionen. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Die Rote und die Weiße Saar tragen Badekappen, und die Loreley ist ganz schön schrill. Bei der „Expedition O“ auf dem Theaterschiff Maria-Helena trotzten gut 100 Leute sogar dem Orkan. Silvia Buss

"Kommen se ruhig runter", ermuntert die Dame im Bademantel auf halber Treppe die Besucher, die orkanbedingt etwas verspätet an Bord des Theaterschiffs der Compagnie Frank Lion am Osthafen eingelaufen sind. Im Schiffsbauch sitzen entlang der Bordwände doch tatsächlich an die 100 Menschen jeden Alters! Echte Wasserratten kann halt nichts schrecken. Und dass es hie und da von oben auf den Stuhl tröpfelt, passt auch. Schließlich geht's hier doch ums feuchte Element.

Mit einer theatralischen Collage feierte man am Sonntag unter Deck - und jetzt wird's kompliziert: die grenzüberschreitende Projektpartnerschaft(!) "Das Blaue Band der Saar ". Der Fluss, an dem man mit EU-Fördermitteln einiges in Gang gebracht hat, und das "Leben am Fluss" verbinden die Menschen, so die Botschaft. Und mit den Mitteln der Kunst macht man ihn an diesem Abend auch symbolisch noch ein bisschen interessanter. Indem man ihm eine Geschichte gibt, und ein wenig Mythologie.

Und so verkörpern Gabriele Bernstein und Marlen Ulonska als schrilles Comedian-Gespann auf halber Treppe mit geblümten Badekappen und farblich passenden -mänteln die beiden Quellflüsse, die Rote und die Weiße Saar . Noch eine Nummer schriller ist aber Countertenor Ralf Peter als "Saar-Sirene". "Vergesst die Loreley!", meint Frau Weiße Saar abwinkend.

Zu Recht. Einfach umwerfend, wie diese leicht angegraute Sirene euphorisch durch den Schiffsbauch schwebt, von "Heimat" schwärmt und alle Nebenflüsse der Saar wie ganz große Oper zum Besten gibt. Und da wäre noch das Kölner Tanztrio "Bande à part", zu dem auch der ehemalige Staatstheater-Tänzer Ruben Reniers zählt. Als schillernde Fische schälen sich die Drei aus ihrer Abendrobe und nehmen den ganzen Schiffsbauch mit faszinierend athletischen Bewegungen in verschiedensten Klangfarben in Besitz.

Die frei improvisierten Töne dazu bläst ein Wesen mit Krokodilskopf und roten Plateausohlen auf seinem Saxofon. Unverkennbar Henk Nuwenhoud, der von drei Herren von "Percussion Under Construction" abgelöst wird. Melodien, Rhythmen, Tanz, Gesang und Rezitation verbinden und verwinden sich in dieser "Expedition O", so der Titel, beständig in fließenden Übergängen. Eine originelle Kombination kontrastreicher Künstler, die quirlig zwischen Tiefgründelei und Oberflächengekräusel pendelt. Schade eigentlich, dass man nicht öfter mal EU-Förderung bekommt, um solche Projekte zu machen.

Eine weitere Aufführung von "Expedition O" ist am Freitag, 11. Juli, 20 Uhr. Dann liegt das Theaterschiff in Saargemünd, in der Nähe der Fayencerie. Infos unter www.saarmoselle.org