Verdi will alle Saar-Kliniken vereinigen

Die saarländischen Krankenhäuser leiden unter Geldnot. Deshalb fordert die Gewerkschaft Verdi den Zusammenschluss sämtlicher Krankenhäuser. Politik und Verbände reagieren skeptisch.

Eigentlich waren Gesundheitsminister Andreas Storm (CDU) und andere hochrangige Vertreter des saarländischen Gesundheitswesens gestern im Saarbrücker Egon-Reinert-Haus zusammengekommen, um das Programm für den Tag der Pflege am Sonntag, 18. Mai, vorzustellen. Doch das Thema des Tages sollte ein anderes werden. Denn zur gleichen Zeit präsentierte die Gewerkschaft Verdi ein Papier, in dem sie nichts weniger als den radikalen Umbau der saarländischen Krankenhauslandschaft fordert. Geht es nach den Vorstellungen von Verdi, soll es künftig im Saarland ein großes Verbundklinikum geben, in dem alle 21 Kliniken des Landes unter Leitung eines gemeinsamen Aufsichtsrates, mit allen öffentlichen, gemeinnützigen und christlichen Trägern, organisiert sind. "Hintergrund unserer Forderungen ist, dass eine Reihe von Krankenhäusern in die roten Zahlen gerutscht ist", erklärt Michael Quetting, Referent für Gesundheitspolitik bei Verdi: "In so einer Situation kommt natürlich die Angst vor einer Übernahme durch private Konzerne auf." Deshalb sei fraglich, so Quetting, "ob es sinnvoll ist, dass die Krankenhäuser im Wettbewerb zueinander stehen." Oder ob sie nicht besser als Verbund zusammenarbeiten.

Alfons Vogtel, der Vorsitzende der Saarländischen Krankenhausgesellschaft, sieht die Vorschläge skeptisch: "Ich halte das nicht für durchführbar. Alleine die unterschiedlichen Tarifverträge dürften nur schwer zu vereinbaren sein." Während die Angestellten der Krankenhäuser in öffentlicher Hand bei Verdi organisiert sind, haben beispielsweise die katholischen Träger eigene Tarifverträge. Zudem löse ein Krankenhausverbund laut Vogtel nicht die Grundprobleme: "Das Gesundheitswesen ist unterfinanziert. Die Zahl der Behandlungen ist gestiegen, aber wir haben die gleichen Mittel wie vor zehn Jahren." Eine verstärkte Kooperation zwischen den Krankenhäusern hält aber auch Minister Storm für sinnvoll, ohne aber auf den Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern zu verzichten: "Wir brauchen angesichts der zunehmenden Spezialisierung in der Tat eine verstärkte Kooperation zwischen den Krankenhäusern, aber ich glaube auch, dass wir mehrere Träger brauchen." Diese Trägervielfalt aufzugeben, sei auch verfassungsrechtlich schwer umzusetzen.

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