Verbraucherzentrale will Pflegeverträge prüfen

Kostenfallen im Internet, unverständliche Verträge bei Finanzdienstleistern und gefährliches Plastikgeschirr – mit diesen Problemen hatten Saarländer 2015 zu kämpfen. Die Verbraucherzentrale hat tausende Bürger zu besagten Themen beraten und gestern einen Ausblick auf künftige Verbraucherschutzthemen gegeben.

Ein falscher Klick mit der Maus, eine unvorsichtige Unterschrift und schon ist es passiert. Durch unseriöse oder nur schwer verständliche Verträge sowie Kostenfallen im Internet werden Verbrauchern immer wieder Leistungen in Rechnung gestellt, die sie gar nicht haben wollten. Helfen will in solchen Fällen die saarländische Verbraucherzentrale (VZ), die gestern über ihre Beratungsgespräche und Informationskampagnen im Jahr 2015 berichtet hat. "Insgesamt fast 47 000 Mal haben Bürger zu unseren Beratern Kontakt aufgenommen", sagt Wolfgang Krause, Vorsitzender des Vorstandes der VZ. In 11 750 Fällen wurden Verbraucher beraten. In 3500 Fällen bot die VZ eine Rechtsberatung. Spitzenreiter bei den Beratungen war 2015 der Bereich Telekommunikation mit Beschwerden über Internet- und Mobilfunk-Abzocke, aber auch Beschwerden zu bestellter, aber nie erhaltener Ware aus dem Netz. Ihren künftigen Fokus will die VZ auf Pflegeverträge legen. Die Verbraucherschützer sollen künftig den Pflege- und Betreuungsmarkt untersuchen und vor Ort die Pflegeverträge von Verbrauchern überprüfen. Diese seien häufig nicht leicht zu verstehen. Klauseln seien Interpretationssache und einige Verträge nicht rechtsfest, so Krause. "Optimal wäre es, wenn Pflegebedürftige oder ihre Angehörige sich vor einem Vertragsabschluss an uns wenden und nicht erst später, wenn es Probleme gibt", sagt Martin Nicolay, bei der VZ zuständig für die "Marktprüfung Pflegeverträge". Für schnelle Informationen am Telefon wurde eine Hotline eingerichtet.

Ein weiteres Projekt will die VZ in Zukunft angehen, eine Stiftung für Schuldner. Krause: "Bei der Schuldnerberatung ist uns aufgefallen, dass die Zahl an ‚kleinen Schuldnern', die bei Energieversorgern mit zirka 1000 Euro in der Kreide stehen, steigt." Häufig seien diese Menschen - oft Alte, Kranke oder Alleinerziehende - nicht durch eigene Schuld verschuldet. Da einige regionale Versorger Ratenzahlungen nicht zuließen, drohe solchen Schuldnern eine Stromsperre, so der VZ-Vorsitzende: "Wir überlegen, ob wir diesen Menschen mit einer Stiftung helfen können."

Informationstelefon Pflegeverträge:

Tel. (030) 54 44 59 68

Telefonberatung der VZ:

Tel. (06 81) 50 08 90

vz-saar.de

Ungewollte Mobilfunk-Abos und Internet-Abzocke über soziale Netzwerke waren die Spitzenreiter bei den Verbraucherbeschwerden im vergangenen Jahr. Viele Verbraucher tappten allein durch das Antippen von Werbeanzeigen in Smartphone-Apps in Abofallen, erklärte gestern Désirée Fuchs, Juristin bei der Verbraucherzentrale (VZ) Saar. Das in Smartphones integrierte Bezahl-System über die Mobilfunkrechnung, sei auch ein Einfallstor für unseriöse Anbieter. Die VZ fordere daher eine voreingestellte, automatische Sperre für solche Drittanbieter, die nur durch die Zustimmung des Nutzers aufgehoben werden könne. Zunehmend würden Verbraucher auch über soziale Netzwerke wie Facebook abgezockt, so die VZ. Fuchs berichtete über Abofallen in Facebook-Werbeanzeigen sowie über eine zunehmende Zahl von gekaperten oder kopierten Profilen von Nutzern. Diese Profile lockten dann die Facebook-Kontakte der Nutzer auf Webseiten von Betrügern. 2015 nahmen viele Bürger die unabhängige Beratung der Verbraucherzentrale (VZ) Saar zu den Themen Altersvorsorge und Geldanlage in Anspruch. "Die Zahl der Produkte ist groß und die Zinsen auf einem historischen Tiefstand. Viele Verbraucher wissen nicht mehr, wie sie ihr Geld anlegen sollen", sagt Thomas Beutler, Finanzexperte der VZ. Im Projekt "Marktwächter Finanzen" habe die VZ Finanzdienstleistungen untersucht. Im Bereich der Lebens- und Rentenversicherungen seien dabei viele Mängel aufgefallen. Verträge seien oft für Laien sehr schwer zu verstehen. Bei einem Viertel der kontrollierten Verträge fehlten bei den Standmitteilungen mehrere Pflichtangaben. Mit einer Informationskampagne hat die Verbraucherzentrale Saarland (VZ) 2015 auf die potenziellen Gefahren von Plastikgeschirr aufmerksam gemacht. "Werden Plastikdosen, die zum Beispiel die Chemikalie Melamin enthalten, zu stark erhitzt, können Schadstoffe in Lebensmittel übergehen", erklärt Ernährungsreferentin Barbara Schroeter. Oft seien Sicherheitshinweise und Piktogramme, zum Beispiel zur Mikrowellentauglichkeit von Plastikschüsseln, nur an der äußeren Verpackung angebracht. "Die landet in den meisten Fällen aber schnell im Müll," sagt Schroeter, "wir fordern daher Hinweise direkt am Geschirr." Darüber hinaus rät Schroeter Verbrauchern generell davon ab, jedwedes Plastikgeschirr in der Mikrowelle zu nutzen: "wenn sie stattdessen eine andere feuerfeste Form benutzen, sind sie auf der sicheren Seite."