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„…uuund Äktschen!“

Saarbrücken. Alle haben Urlaub, nichts ist los in der Stadt. Na, fast nichts, abgesehen von den üblichen Festen und Spektakeln. Schließlich muss der Sommer gefeiert werden und die Ferien. Woran man merkt, dass Ferienzeit ist?

Daran, dass sie alle weg sind, die Schauspieler, die Tänzer, die Sänger und Musiker. Das Theater macht natürlich auch Ferien und zwar lange! Jetzt sind sie verwaist, die Alte Feuerwache, das Große Haus, die Sparte4. Wahrscheinlich wird trotzdem schon für die Spielzeiteröffnung am 11. September geschuftet, das Parkett geputzt, die Bühne gelüftet und jede einzelne Glasperle des riesigen Kronleuchters abgestaubt.


Dennoch, das Gefühl einer gewissen Leere beschleicht einen, kann man abends nicht spontan nach Karten fürs Ballett schauen oder für Josef Roth, Beckett und Shakespeare. Die Theaterleute, die braucht man hier. Man fühlt sich wohl im Café, sitzt einer von ihnen in der Nähe und nippt ebenfalls an seinem Cappuccino , für mich ist Saarbrücken auch das Theater und umgekehrt.

Außerdem, was soll man denn mit der ganzen Freizeit machen? Man kann ja nicht ewig feiern oder am Staden abhängen und essen gehen. Dauernd shoppen verträgt das Konto nicht sonderlich. Gar nichts tun kostet zwar nichts, ist aber langweilig und macht Dellen in die Couch. "Quatsch!", meinen Freunde. Genau das seien die Dinge, mit denen man seine Freizeit anfülle. Mal von Chatten, Twittern, Pokémon jagen und ähnlichem Zeug abgesehen.

Sei's drum, mich macht die Urlaubszeit ein bisschen nervös. Zwingen muss ich mich, nicht täglich E-Mails und Handy zu checken, Tee zu trinken, ohne Terminkalender auszukommen, mich auf ein Buch zu konzentrieren, nicht ständig mein Arbeitszimmer umzuräumen oder die x-te Maschine mit bereits sauberer Wäsche zu füllen. Und mich nicht dauernd zu fragen, ob sie im Herbst alle wiederkommen, die jetzt in der Ferne weilen.

Womöglich finden sie ja was Besseres als Saarbrücken? Der Staden bliebe menschenleer, ebenso die Kneipen, in teuren Restaurants bekäme man einen Tisch ohne Reservierung, an Kaufhauskassen gäb's keine Schlangen und die Theatertüren blieben zu… Ich beruhige mich mit einem Schluck Jasmin-Tee, lese drei weitere Krimizeilen, gehe in mich und befinde: Möglich ist's, aber extrem unwahrscheinlich…



Ab 11. September ist auch wieder was los, zurzeit ist das Theater aber verwaist. Foto: B&B
Ab 11. September ist auch wieder was los, zurzeit ist das Theater aber verwaist. Foto: B&B FOTO: B&B