Unterwegs mit dem Tod

Zwei Begleiter hat Lorenze auf seiner Flucht um die halbe Welt: den Tod und die Musik. Die Schauspieler des Mutanth-Theaters nehmen dabei die Zuschauer mit auf eine eine Suche nach Identität und Heimat.

"Kumbia 333. Mein Schicksal ist die Flucht - meine Heimat die Musik " ist ein Musiktanztheater von Miguel Bejarano Bolívar, das in der aktuellen Flüchtlingskrise passender nicht sein könnte.

In Kolumbien verbrennt und zerstört das Paramilitär das Land und die Dörfer, Menschen werden massakriert und grausam abgeschlachtet. Margarita, die im zerstörten Dorf ihrer Großmutter bleiben möchte, wird vertrieben, sie muss fliehen.

Auf ihrer Flucht lernt die temperamentvolle Kolumbianerin, emotional und hervorragend gespielt von der Schauspielerin und Sängerin Eliza Montes de Oca, Lorenzo (Miguel Bejarano Bolívar) kennen und lieben. Zusammen fliehen sie und beginnen gemeinsam ein Leben, dessen Glück jedoch nur von kurzer Dauer ist.

Lorenzo findet auf einer Bananenplantage Arbeit, tritt der Gewerkschaft bei und wird durch ständige Morddrohungen wieder zur Flucht gezwungen. Er flieht nach Mexiko, muss nach einer versuchten Entführung jedoch auch von dort fliehen. Nach Kuba geht seine Flucht weiter, von dort zusammen mit der Deutschen Tanja (Eva Lajko) ins kalte Deutschland. Auch hier kann er sein Glück nicht finden, verdingt sich in verschiedenen Gelegenheitsjobs, nur um letztendlich wieder zurück nach Kolumbien zu gehen.

Seine ständigen Begleiter auf der Flucht sind der drohende Tod (hervorragend gespielt von Eva Lajko), der ihm auf Schritt und Tritt zu folgen scheint, und die Musik . Die Musik zieht sich als roter Faden durch das Stück, macht überhaupt viel aus: Margarita, Bauern und Frauen ihres Dorfes in Kolumbien, Lorenzo - sie alle singen und tanzen die Cumbia, genießen und leben die fröhliche Musik . Und die Lebensfreude, die mit Cumbia einhergeht - ursprünglich war sie ein Ritualtanz der Liebe, inzwischen ist sie zum kolumbianischen Nationaltanz geworden.

Für Lorenzo bedeutet Cumbia jedoch weit mehr: Für ihn ist es die Heimat , aus der er fliehen musste, in ihr findet der Flüchtende seinen "kulturellen Anker". Auf seinen verschiedenen Fluchtstationen hilft und heilt Cumbia letztlich Lorenzos Seele, vermittelt ihm für kurze Zeit, dass alles Schlechte gut werden wird.

Während die Kostüme kolumbianisch/südamerikanisch gehalten sind und die Requisite weniger mit Gegenständen als viel mehr mit der Vorstellungskraft auskommt, trumpfen die Darsteller, inklusive der Band (bestehend aus Hector Zamora, Leonardo Ortega, Armindo Ribeiro) mit ihrem Können und ihrem Spielfeuer auf. Mit Herzblut und sichtbar Spaß an der Rolle gespielt, getanzt, gesungen ist der Abend. Das wilde Temperament Kolumbiens überträgt sich auf das Publikum. Trotzdem wird gekonnt vor Augen gehalten, dass ein Leben auf der Flucht viel mehr bedeutet, als nur aus dem Wohnort wegzumüssen, es ist letztlich eine Suche nach Identität und Heimat .

Die nächsten Aufführungen sind am Donnerstag und Freitag, 15. und 16. Oktober, jeweils um 10 und 19.30 Uhr, im Uberzwerg - Theater , Erich-Kästner-Platz 1, in Saarbrücken- St. Arnual. Kartenreservierungen unter Telefon (06 81) 9 58 28 30

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