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„Unbekannt“ ist enttarnt

Dieses Schild sorgte für Irritation, weil unklar war, wer es angebracht hatte. Das Mysterium ist geklärt.
Dieses Schild sorgte für Irritation, weil unklar war, wer es angebracht hatte. Das Mysterium ist geklärt. FOTO: Karle
Saarbrücken. Plötzlich war es da. Und niemand wollte es aufgehängt haben – ein Schild, das Skateboarder vor der Europa-Galerie bittet, dort nur nach Ladenschluss zu fahren. Angebracht war das Schild an einem Werk des Künstlers Alexander Karle. Der war nicht amüsiert und stellte Strafanzeige. Die Stadt, der das Kunstwerk aus Holz gehört, auch. Seit gestern ist klar: Die Stadt zeigte sich selbst an. Martin Rolshausen

Sebastian Kurth hatte das Ordnungsamt in Verdacht. Mit dem städtischen Ordnungsamt, sagte der Centermanager der Europa-Galerie am Hauptbahnhof Anfang vergangener Woche, habe man sich über die Sache mit den Skateboardern unterhalten. Es sei gefährlich, wenn die jungen Leute dort "donnern", wo viele Menschen unterwegs sind. Dass kurz darauf an einem der beiden runden Holzpodeste vor der Galerie ein Schild hing, auf dem die "lieben" Skateboarder freundlich gebeten wurden, doch erst nach Ladenschluss ihre rollenden Bretter in Bewegung zu setzen, hielt Kurth für eine wunderbare Reaktion des Ordnungsamts.

Nein, hieß es auf SZ-Anfrage aus dem Rathaus, das Ordnungsamt habe das Stadt nicht angebracht. Dass es sich nicht um städtisches Schild handele, erkenne man auch daran, dass kein städtisches Wappen oder ein anderes offizielles Symbol der Stadt auf dem Schild ist.

Die Stadtverwaltung fand das Schild auch alles andere als toll. Und am allerwenigsten amüsiert war man nach SZ-Informationen im Kulturamt. Das runde Holzpodest ist nämlich ein Werk des Saarbrücker Künstlers Alexander Karle. Es wurde 2010 aufgebaut und gehört der Stadt. Das Kulturamt veranlasste also, dass die Stadt "als Eigentümerin der Plattform bei der Polizei St. Johann eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung" erstattete.

Auch der Künstler selbst hat sich bei der Polizei gemeldet und Anzeige erstattet. Er habe nichts gegen ein Schild, das zu gegenseitiger Rücksichtnahme aufrufe, sagte er - aber man möge es doch bitte in der Nähe und nicht direkt am Kunstwerk anbringen. Das Werk, erklärte er, "ist eine Skulptur, die auf vielfältige Art genutzt werden kann, dazu gehört auch das Befahren mit Skateboards".

"Bisher konnte die Polizei den Verursacher nicht ermitteln", teilte Jutta Mehler von der Stadtverwaltung noch vergangene Woche mit. Das muss die Polizei auch nicht mehr tun. "Unbekannt" ist nämlich nicht mehr unbekannt. Stadtpressesprecher Thomas Blug bestätigte gestern eine SZ-Information, wonach die Stadtverwaltung das Schild doch selbst angebracht hat.

Das Ordnungsamt war es nicht, es war das Grünamt. Das teilte Blug mit. Ein Mitarbeiter, der sehr engagiert ist, habe das Schild machen und anschrauben lassen. Weder das Ordnungsamt noch die Öffentlichkeitsabteilung, über deren Schreibtische alle offiziellen städtischen Schilder zur Kontrolle gehen müssen, bevor sie aufgehängt werden, waren informiert, sagt Blug. Und das eigentlich zuständige Kulturamt auch nicht.

Im Rathaus wird der Vorgang nicht mehr als strafbar, sonders als "ziemlich peinlich" eingestuft. Und man habe erkannt, dass man mehr miteinander reden müsse.

Der Künstler zieht seine Anzeige auch zurück. "Ich will ja nicht, dass jemand bestraft wird. Es ging nur darum, dass das Schild wegkommt und die Sache geklärt wird", sagt Alexander Karle.

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