Über die Industriekultur im Köllertal

Der Verein für Industriekultur und Geschichte Heusweiler und das Kulturforum Köllertal haben eine Broschüre herausgebracht, die die Industriegeschichte der Region beleuchtet. Die SZ stellt einige Orte daraus vor.

Bereits die Bergbausiedlung Von der Heydt ist bemerkenswert. Abgeschieden, mitten im Wald gelegen, und doch vor den Toren der Stadt Saarbrücken , zeugen die noch erhaltenen, ehemaligen Wohn- und Schlafhäuser von der vergangenen Industriekultur der Region. Aber selbst dort sticht das wundersame Bauwerk des Bierkellers wegen seiner aufwendigen, historistischen und märchenhaften Architektur heraus.

Hinter dem ehemaligen Schlafhaus der Grubenbeamten, heute Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landesentwicklung, und neben einem ehemaligen, heute sehr schön sanierten Stallgebäude, unmittelbar in einen Hang gebaut, befindet sich dieses Kleinod der Bergbauarchitektur. Von außen erinnert das Bauwerk an ein reich verziertes Stollenmundloch oder eine Tunneleinfahrt, aber tatsächlich diente dieses Bauwerk nur dazu, Getränke zu kühlen. "Schon verrückt, es ist zwar eine Bergbauarchitektur, aber sie hatte niemals eine Bergbau-Nutzung", erklärt Karl Heinz Janson, erster Vorsitzender des Vereins für Industriekultur und Geschichte .

Sein Verein hat in Kooperation mit dem Kulturforum Köllertal gerade einen Führer zur Industriekultur im Köllertal herausgebracht. Von Karl Heinz Janson stammen die Texte der Broschüre und er kennt sich sehr gut aus mit der Industriekultur der Region. "In Von der Heydt wurde 1850 der erste Stollen angehauen und 1920 wurde die Siedlung an die Franzosen übergeben. Während dieser Zeit wurde hier alles gebaut", erzählt er. "In dem Schlafhaus, in dem heute das Landesamt untergebracht ist, war das Beamtenkasino. Dort wurden auch Feste gefeiert. Und um die Getränke des Kasinos zu kühlen, hatte man diesen Bierkeller errichtet. Dieses einzigartige Bauwerk hatte nie eine andere Nutzung", erklärt Karl Heinz Janson weiter.

Der Bierkeller selbst wird in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein. Das Bauwerk besteht aus zwei Teilen, der Wand vor dem Hang und dem räumlich davorgesetzten, kleineren Portalbau. Auffällig ist, dass die hintere Wand aus gelbem Sandstein gefertigt wurde, während für den Eingangsbereich in den Bierkeller roter Sandstein gewählt wurde. Beide Teile des Bauwerks sind mit Türmchen und Zinnen bekrönt, die Ecken der hinteren Wand sind mit auffälligen Eckquadern gestaltet, verschiedene Friese gliedern den Bau, Konsolsteine schmücken den Eingang. Über dem Portal ist ein Wappen mit Hammer und Schlegel angebracht.

Das Bauwerk ist heute teilweise mit Efeu und Brombeerbüschen überwachsen, Moose und Flechten leben auf dem Mauerwerk. Das verleiht dem Bierkeller zwar einen romantischen, märchenhaften, fast schon verwunschenen Charakter, gleichzeitig ist es aber genau dieser Wildwuchs, der das Bauwerk heute bedroht. Denn es ist nicht zu übersehen, dass sich bereits einige Sandsteinquader gelöst haben. Eine Sanierung wäre wünschenswert ist aber ungewiss. "Auf solche Objekte aufmerksam zu machen und sie vor dem Vergessen zu bewahren, das hat sich unser Verein zur Aufgabe gemacht und das ist der Sinn unserer Broschüre", sagt dann auch Karl Heinz Janson vom Verein für Industriekultur und Geschichte .