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Tunnel-Fans waren diesmal in der Mehrheit

Als Erinnerung an das Ideal einer autogerechten Stadt – und Irrweg – gilt heute vielen die A 620 auf Saarbrücker Gebiet. Auch deshalb lebt die Tunneldiskussion wieder auf. Foto: Becker&Bredel
Als Erinnerung an das Ideal einer autogerechten Stadt – und Irrweg – gilt heute vielen die A 620 auf Saarbrücker Gebiet. Auch deshalb lebt die Tunneldiskussion wieder auf. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Der neue Anlauf zum Tunnel für die Autobahn 620 beschäftigte Experten bei einer Diskussion in der Stadtgalerie. Das Vorhaben kam ganz gut weg. Und noch sehen Befürworter nicht alle Geldquellen ausgeschöpft. Silvia Buss

Braucht Saarbrücken eine Übertunnelung der Stadtautobahn? Für Professor Hartmut H. Topp ist die Sache klar. Wenn Saarbrücken im Wettbewerb der Städte mithalten will, brauche die Stadt einen Tunnel . Das sagte der Experte vom "Institut für Mobilität & Verkehr - imove" der Technischen Universität Kaiserslautern am Donnerstagabend bei der Podiumsdiskussion des Saarbrücker Bürgerforums in der Stadtgalerie.


Denn könne Saarbrücken auch mit französischem Flair punkten, so sei der motorisierte Individualverkehr doch eines seiner größten Probleme. "Und das fokussiert sich alles auf der Stadtautobahn, ein Relikt der sechziger Jahre." Andere Städte wie Düsseldorf hätten längst vorgemacht, dass man das durch Innenstadttunnel reparieren könne. Und Freiburg sei gerade mit Bundesförderung dabei. Gibt es auch für Saarbrücken jetzt neue Hoffnung?

Astrid Klug verkündete, dass das Verkehrsministerium die Vorplanungen wieder aufgegriffen habe, sie zu Ende bringe und dann erneut versuche, bei der Europäischen Union und dem Bund für Finanzierung zu werben. Auch für Klug ist die Stadtautobahn eine Bausünde: "So wie sie daliegt, wäre sie heute nicht mehr genehmigungsfähig, deshalb besteht da definitiv Verhandlungsbedarf." Den Bund müsse man viel stärker finanziell in die Pflicht nehmen als beim ersten Anlauf des Großprojekts "Stadtmitte am Fluss" geplant, sagte sie.



Es stimme nicht, dass der Bund sich bei Um- und Ausbauten von Autobahnen nur für verkehrliche Aspekte und nicht auch für städtebauliche interessiere, sagte sie. Topp bekräftigte das: Auch beim Tunnelprojekt in Freiburg gehe es um städtebauliche Verbesserungen, darum den Fluss Dreisam wieder erlebbar zu machen.

Nun war das Bürgerforum, das eingeladen hatte, bisher immer ein Gegner des Tunnelprojekts. Weder von Klaus Fuhs, der das Forum auf dem Podium vertrat, noch aus dem Publikum war an diesem Abend eine grundsätzliche Ablehnung des Tunnel-Projekts zu hören. Eher kritische Einwände, warum die Vorplanungen so lange dauerten. Man habe gestoppt, als die Finanzierung 2012 scheiterte, und die vorbereitenden Untersuchungen zum Vollanschluss Messe vorgezogen, erklärte Klug. Denn der Vollanschluss habe Auswirkungen auch für das Tunnelprojekt. Indirekt übte Klug auch Kritik an der damaligen Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer, die das Großprojekt Stadtmitte am Fluss in viel zu kurzer Zeit habe realisieren wollen. Auch deshalb habe es scheitern müssen. Ihr Nachfolger Heiko Lukas gab sich hier vorsichtiger. Er begrüßte zwar die Wiederaufnahme der Vorplanungen. Für ihn hat jedoch der Verkehrsentwicklungsplan jetzt Priorität, mit dem man die Attraktivität der Innenstadt entwickeln und sie vom Verkehr entlasten wolle. Noch in diesem Jahr wolle die Stadt etwa mit der Machbarkeitsstudie zur kleinen Innenstadtumfahrung beginnen. "Das sind die Bereiche, auf die wir uns jetzt konzentrieren", sagte Lukas.

Dezernent: Menschen sollen Platz haben, wo heute Verkehr fließt


Warum braucht Saarbrücken den Tunnel ?

Heiko Lukas: Das obergeordnete Ziel von Stadtentwicklung ist es, die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen. Wir wollen neue attraktive Räume schaffen und die Lärm- und Abgasbelastung verringern. Dieses Ziel verfolgen wir mit dem neuen Verkehrsentwicklungsplan 2030. Und auch beim Tunnel geht es genau darum, nämlich neuen attraktiven Raum für die Menschen in der Innenstadt zu schaffen, wo heute noch der Verkehr fließt.

Wie wollen Sie erreichen, dass er gebaut wird?

Heiko Lukas: Das Land schließt in Abstimmung mit uns die Vorplanung ab. Es gilt aber weiterhin: Es handelt sich um eine Bundesautobahn. Wir werden das Projekt nicht aus kommunalen Mitteln finanzieren. Der Abschluss der Vorplanung gibt uns die Möglichkeit, auf Grundlage der vollständigen Ergebnisse, auf Bundes- und gegebenenfalls auf EU-Ebene nochmals um Mittel für dieses städtebaulich wichtige Projekt zu werben.

An welchen Anträgen arbeitet die Stadt gerade?

Heiko Lukas: Wir arbeiten zurzeit nicht an Anträgen. Das Land bringt die Vorplanung zum Abschluss in enger Abstimmung mit uns.