Trauben blieben im Laden

Saarbrücken. Unsere Kolumne "So kann's gehen" vom Mittwoch hat Diskussionen ausgelöst. Wir hatten darin beschrieben, dass ein Obstverkäufer sich kurz vor Ladenschluss geweigert hatte, die von einem Obdachlosen gesammelten Kupfermünzen als Bezahlung für Trauben zu akzeptieren

Saarbrücken. Unsere Kolumne "So kann's gehen" vom Mittwoch hat Diskussionen ausgelöst. Wir hatten darin beschrieben, dass ein Obstverkäufer sich kurz vor Ladenschluss geweigert hatte, die von einem Obdachlosen gesammelten Kupfermünzen als Bezahlung für Trauben zu akzeptieren. Zur Begründung hatte der Verkäufer gesagt, er nehme das Kleingeld nicht an, weil er es am Feierabend noch zählen müsse und das nicht wolle. Durfte er die Münzen überhaupt ablehnen? Antwort darauf gibt das Deutsche Münzgesetz von 1999. Dort ist in Paragraf 3 geregelt, dass niemand verpflichtet ist, bei einer einzelnen Zahlung - ganz gleich, wie hoch der Gesamtbetrag ist - mehr als 50 Münzen anzunehmen. Nur die Deutsche Bundesbank muss jede Menge Kleingeld entgegennehmen, zu ihr kann man also auch säckeweise Münzen bringen. Anders im Handel: Die rund fünf Euro für die Trauben musste der Verkäufer, rein rechtlich gesehen, nicht in Kupfermünzen annehmen. Zudem ist er nicht verpflichtet, die Ware überhaupt zu verkaufen. Mit jedem Kunden schließt er "über die Theke" einen Vertrag. Und ein Zwang zum Vertragsabschluss besteht im Einzelhandel nicht.

Das Zivilrecht stellt es Käufer und Verkäufer frei, ob sie miteinander ins Geschäft kommen. Dieser Rechts-Grundsatz heißt "Privatautonomie". Nur, wenn sich die Parteien handelseinig sind, stellt sich überhaupt die Frage nach der Zahlungsweise.

Rechtlich ist die Szene im Laden also nicht angreifbar. Eine andere Frage ist, ob ein Händler mal ein Auge zudrückt, wenn ein offensichtlich bedürftiger und vielleicht auch hungriger Mensch nur Münzen besitzt. Das tue er oft, sagt der Inhaber des Geschäftes auf SZ-Nachfrage. Er kenne den Obdachlosen und schenke ihm häufiger Obst. Zur Gewohnheit wolle er das aber nicht werden lassen. Und da der Mann nicht rede, könne man sich mit ihm darüber nicht unterhalten; es bleibe nur, ihn hie und da mal abzuweisen. Die Begründung, man wolle das Geld nicht zählen, sei also nicht der wahre Grund für die Ablehnung. bub