Total krempelt Chemiewerk um

Auf dem Gelände der Chemie-Plattform in Carling soll eine Kunststoff-Weiterverarbeitungs-Anlage entstehen. Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) ist in den Anhörungsprozess eingebunden.

In knapp zehn Tagen beginnt die öffentliche Anhörung zum Bau der Polypropylen-Komponenten-Anlage (PPC) auf der Chemie-Plattform im lothringischen Carling. Dort sollen aus Kunststoff-Granulaten hochwertige Baustoffe für die Auto-Industrie erzeugt werden. An den Anhörungen werde sich das Saarland beteiligen, wie Umweltminister Reinhold Jost (SPD ) gestern erklärte. "Wir werden als Fachbehörde die Genehmigungsunterlagen auf die zu erwartenden Auswirkungen für das Saarland prüfen", so Jost. Er habe aber bisher keinerlei Veranlassung, an der Arbeit der französischen Behörden zu zweifeln. Auf beiden Seiten der Grenze gelten die gleichen Vorgaben und Grenzwerte. Das französische Genehmigungsverfahren für die PPC-Anlage sei sogar schärfer als die deutsche Regelung. "Wäre eine solche Anlage auf deutscher Seite geplant, wäre nur eine Baugenehmigung der unteren Bauaufsichtsbehörde notwendig. In Frankreich werden in dem Fall eine öffentliche Anhörung sowie eine Umweltverträglichkeitsstudie verlangt", erklärte der Minister.

In der neuen Anlage findet kein chemischer Prozess statt, erklärte André Johann, zuständiger Referatsleiter im Umweltministerium. Das Propylen wird als Granulat geliefert und soll in der neuen PPC-Anlage mit anderen Komponenten vermischt werden. Die Erzeugnisse werden zum Beispiel in der Automobilindustrie verwendet. Anders als beim im Herbst abgeschalteten "Steamcracker" (Dampfspaltung von Kohlenwasserstoff) werde hier kein Gas verbrannt. Mit der Abschaltung des Steamcrackers sei eine der Hauptforderung des Saarlands erfüllt worden, erklärte Jost. "Die Anlage ist nicht nur sauberer, sondern durch zahlreiche Modernisierungsarbeiten sicherer geworden", sagte er. Natürlich bleibe die Anlage in Carling eine Chemieplattform, die Emissionen produziert. Dennoch sei sie in den vergangenen Jahren viel besser geworden und auch die Kommunikation habe sich stark verbessert: "Wir reden jetzt mit- statt übereinander."

Die öffentliche Anhörung zur Errichtung der PPC-Anlage wird vom 14. März bis 15. April durchgeführt. So rechnet Total mit einer Baugenehmigung bis Ende des ersten Halbjahres 2016 und will bis Jahresende mit dem Bau beginnen. Nicht nur diese Genehmigungsphase will das Umweltministerium genau verfolgen. "Auch nach dem Bau der Anlage werden wir weiterhin genau hingucken", versicherte Jost. Den Widerstand, auf den die Erweiterungspläne von Total bei den deutschen Anrainern stoßen, nimmt er ernst. "Wir nehmen die Ängste, aber auch die Fakten zur Kenntnis", so Jost. Insgesamt seien die Emissionen des Industriekomplexes in Carling nach der Stilllegung der Kokerei und des ersten Steamcrackers deutlich zurückgegangen, so das Umweltministerium. Außerdem seien die Verantwortlichen von Total bereit, die Pläne der neuen PPC-Anlage den Räten der betroffenen Kommunen vorzustellen.

Jost rief Völklingen, Großrosseln, Wadgassen und Überherrn dazu auf, sich an der Anhörung zu beteiligen. "Um die Informationsbeschaffung zu erleichtern, haben wir bereits für die Übersetzung der wichtigsten Unterlagen gesorgt", erklärte der Umweltminister .

Heike Schreiner, Chefin der Bürgerinitiative "Saubere Luft für den Warndt" freute sich, dass der Zugang zu Informationen einfacher geworden ist. Sie sagte aber: "So hätte es von Anfang an laufen müssen. Es ist unser Recht, genau darüber informiert zu werden." Die Erweiterungspläne sah Schreiner kritisch. Nach ihren Informationen werde auch die neue PPC-Anlage Emissionen leichtflüssiger Substanzen und Stäube verursachen. Ohnehinstelle das Chemiewerk eine Gefahr für die Nachbarn dar. "Wäre alles unbedenklich für die Umwelt, würden die Anlagen nicht unter die Seveso-Richtlinie fallen." Die Seveso-Richtlinie der EU soll schwere Unfälle mit gefährlichen Stoffen verhüten. Benannt ist sie nach der Chemie-Katastrophe im italienischen Seveso 1976.