Toben, klettern - bei jedem Wetter

Saarbrücken. "Kinder, kommt schnell rein, es regnet!" Sätze wie dieser fallen im Waldkindergarten am Schanzenberg ganz sicher nicht. Dort wird draußen getobt, geklettert und Fangen gespielt, egal, ob es regnet oder schneit

Saarbrücken. "Kinder, kommt schnell rein, es regnet!" Sätze wie dieser fallen im Waldkindergarten am Schanzenberg ganz sicher nicht. Dort wird draußen getobt, geklettert und Fangen gespielt, egal, ob es regnet oder schneit.

Mitten im Wald, oberhalb des Saarbrücker Messegeländes, betreut der Waldkindergarten Saarbrücken, getragen vom Waldorf-Schulverein, zurzeit 20 Jungen und Mädchen ab drei Jahren. "Die Nachfrage ist riesig", erzählt Erzieherin Isabel Czapla: "Im Augenblick sind alle Plätze belegt."

Die Szenerie auf dem weitläufigen Kindergartengelände ist idyllisch - trotz Nieselregen und Außentemperaturen von knapp einem Grad über dem Gefrierpunkt. Vor Kälte zitternde Kinder sind nicht zu sehen, statt dessen viele fröhliche Gesichter mit roten Wangen.

"Die Kinder sind immer in Bewegung. Und natürlich ist richtige Bekleidung sehr wichtig", sagt Isabel Czapla. Skihose, dicker Anorak, Mütze, Schal und Handschuhe gehören im Winter zum Kindergartenbesuch dazu.

Eltern, die Angst davor haben, dass sich ihre Kinder schmutzig machen, werden ihre Kleinen ganz sicher nicht im Waldkindergarten anmelden. Denn das Spielen auf dem matschigem Waldboden und beherzte Sprünge in Pfützen machen im Waldkindergarten naturgemäß besonders viel Spaß. Als Spielzeuge dienen ihnen Stöcke, Steine und Tannenzapfen, eine große Wurzel ersetzt das Klettergerüst, und auch das Material zum Basteln, Schnitzen und Zimmern finden die Kinder bei den täglichen Streifzügen durch die Natur. Spielsachen, wie man sie in den meisten Kinderzimmern zuhauf findet, gibt es im Waldkindergarten nur vereinzelt.

"Idee der Waldorf-Pädagogik ist, dass Kinder mit Naturmaterialien spielen und dabei ihre Fantasie entwickeln können", erklärt Isabel Czapla: "Ein Stock kann im Spiel mal ein Rührlöffel, mal ein Telefon sein. Kinder sind da sehr einfallsreich." Eine These, die von Simon (6) prompt bestätigt wird. Zusammen mit Pauline spielt er gerade "Rockband" - mit einem dicken Zweig als Gitarre.

Auf der Terrasse des gemütlich eingerichteten Bauwagens, der bei starkem Regen oder Minusgraden zum Aufwärmen dient, sitzt Maurice dick eingemummelt neben Erzieher Dirk Burgardt und bereitet Butterbrote für das gemeinsame Frühstück vor. Auch der "Speiseraum" ist unter freiem Himmel - Tische und Bänke im Miniaturformat sind selbst gezimmert.

Von 7.30 bis 13.30 Uhr dauert der Kindergartentag im Wald. Das Klischee, dass in Waldorfkindergärten überwiegend Kinder aus Akademikerfamilien angemeldet werden, treffe nicht zu, betont Isabel Czapla: "Wir haben Kinder aus allen Schichten und versuchen, allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft und den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern einen Platz bei uns zu ermöglichen."

Für Eltern, die mehr über das Konzept des Waldkindergartens erfahren möchten, bietet der Waldorf-Schulverein am 17. Februar, 20 Uhr, einen Infoabend im Waldorf-Kindergarten Altenkessel an. Gelegenheit, den Waldkindergarten selbst hautnah zu erleben, bietet der Tag der offenen Tür am 26. März, 10 bis 14 Uhr.

Weitere Infos auch unter Tel. (0 68 98) 8 52 02 01.