Therapie sagt Kilos den Kampf an

Rohrbach/Saarbrücken. Die Zahlen wirken alarmierend: 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland haben Übergewicht. 800 000 davon leiden unter chronischer Fettleibigkeit, der Krankheit Adipositas

Rohrbach/Saarbrücken. Die Zahlen wirken alarmierend: 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland haben Übergewicht. 800 000 davon leiden unter chronischer Fettleibigkeit, der Krankheit Adipositas. Martin Erbelding von der Stabsstelle Projektentwicklung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) warnt: "Die Dichte an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen ist europaweit nirgends so hoch wie im Saarland. Wir müssen unbedingt mehr dagegen tun", sagt Erbelding, der auch die Gründe für diese Zahlen kennt: "Es wird viel zu kalorienreich und unbewusst gegessen und gleichzeitig nimmt die Bewegung immer mehr ab."Vor drei Jahren hat das DRK in Saarbrücken das Therapie-Programm "Moby Dick" ins Leben gerufen. Eine Therapie, die ein Jahr lang dauert, Kinder über Ernährung und Freizeitgestaltungen aufklärt und versucht, ihnen mit dem Problem zu helfen. "Es ist oft ganz schlimm. Die Kinder sind aufgrund berufstätiger Eltern den ganzen Tag alleine zu Hause, sitzen vorm Fernseher und stopfen an Essen alles in sich hinein, was geht. Das ist in vielen Fällen so", erklärt die Diplom-Sportlehrerin Marina Schulz, die das Therapie-Programm leitet.

Neben der körperlichen Beeinträchtigung leidet auch die Seele der Kinder- und Jugendlichen. "Viele Eltern fragen bei uns nach, ob ihr Kind durch 'Moby Dick' auch Freunde finden kann. Oft haben diese Kinder nur wenig Kontakt zu Gleichaltrigen oder werden sogar gemobbt", sagt Marina Schulz weiter.

Beim DRK kümmert sich ein Team aus Psychologen, Sozialpädagogen, Ernährungswissenschaftlern und Sportlehrern um die Kinder. Das Klinikum Saarbrücken übernimmt zudem die medizinische Betreuung. "Wir treffen uns wöchentlich für zwei Stunden mit den Kindern. In einer Stunde geht es um Ernährungsberatung und das richtige Verhalten beim Essen. In der anderen Stunde ist Sport", so Marina Schulz.

Neben den wöchentlichen Treffs gibt es auch Einzelgespräche mit den Kindern und deren Eltern. "Die Einbindung der Eltern ist extrem wichtig. Sie verpflichten sich zu vier Schulungen in dem Therapiezeitraum. Zudem haben wir in dem Jahr sieben Familientage, an denen alle zusammenkommen", sagt Martin Erbelding. Kosten kommen auf die Familie dabei so gut wie keine zu.

Wie das Rote Kreuz berichtetet, übernehmen die Krankenkassen so gut wie alle Kosten. In Einzelfällen greift auch das Rote Kreuz den Familien finanziell unter die Arme. Mehr als 100 Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen drei Jahren am Therapie-Programm Moby Dick teilgenommen. Mehr als die Hälfte dieser Kinder hat den Schritt aus der Fettleibigkeit geschafft. "Dabei lernen die Kinder und Jugendlichen, wie man in puncto Ernährung und Bewegung richtig lebt. Und das über einen längeren Zeitraum", sagt Martin Erbelding. "Eine Diät, in der man in wenigen Wochen viele Kilos verliert, ist nicht zielführend", sagt Erbelding, der sich auch in Sachen Prävention vieles vorstellen kann. "Übergewicht bei unserem Nachwuchs ist die Ursache für viele Krankheitsbilder in der Zukunft. Dessen sollten sich alle bewusst sein", sagt er. "Genau so, wie man Kindern Rauchen und Alkohol verbietet, sollte man auch an Fastfood-Restaurants Schilder mit dem Hinweis anbringen: Zutritt erst ab 18 Jahren", findet der DRK-Mitarbeiter.

Wer fragen zum Therapieprogramm Moby Dick hat, kann sich direkt an Marina Schulz unter Tel. (06 81) 5 00 42 39 wenden. Foto: Moby Dick

Foto: Moby Dick

Auf einen Blick

Auch in Rohrbach bietet das Deutsche Rote Kreuz mit dem Therapieprogramm "Moby Dick", ein Angebot für übergewichtige Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 16 Jahren an. Der Kursus findet immer dienstags von 15 bis 17 Uhr statt und geht über ein Jahr. Ein Einstieg ist zu jedem Zeitpunkt möglich, da es sich um ein fortlaufendes Angebot handelt. Kursort sind die Räumlichkeiten der Johannesschule in Rohrbach. Infos und Beratung beim DRK-Landesverband Saarland unter Tel. (06 81) 5 00 42 39. Ansprechpartnerin ist Marina Schulz. red