Therapeut und erfolgreicher Künstler

Weil er gerne zeichnete, studierte er Kunst. Doch Kunst um ihrer selbst Willen war ihm nicht genug. Er wollte, dass die Kunst den Menschen hilft. Also wurde er Kunsttherapeut. Und diese Arbeit beflügelte ihn wiederum als Künstler.

"Ich habe schon immer gerne gezeichnet. Daher schickte mich meine Mutter, als ich vierzehn Jahre alt war, zu einem Kunstkurs der Sommerakademie in Wadgassen. Und das war der Anfang", erzählt Johannes Lotz, renommierter Künstler aus München, der 1975 in Saarbrücken geboren wurde. Johannes Lotz stammt aus einer musischen Familie, seine Mutter war Redakteurin bei der Saarbrücker Zeitung, sein Onkel unterhält die Galerie Ruppert in der Nähe von Landau. Der Malkurs bei den saarländischen Künstlern Francis Berrar und Thomas Gruber an der Sommerakademie Wadgassen war für ihn wegweisend. Denn hier befreundete er sich nicht nur mit dem heute bekannten Künstler Gregor Hildebrand, sondern er fand auch in Francis Berrar und Thomas Gruber Unterstützer und Fürsprecher. Mit ihrer Hilfe konnte er seine Kunstmappe erstellen und im Jahr 1994 die Aufnahmeprüfung zum Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste der Universität Mainz vorbereiten. Das Studium in Mainz bei Prof. Friedemann Hahn schloss er im Jahr 2000 ab, unterbrochen von einem Gastsemester in Montpellier.

Aber dann folgte der Bruch mit der Kunst. "Nach dem Studium habe ich erstmal in mehreren Gärtnereien gearbeitet und Jobs angenommen, um mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten", berichtet Johannes Lotz. "Ich wollte nicht in den Kunstbetrieb und sah keinen inhaltlichen Sinn mehr in meinen Bildern", überrascht er.

Daher begann er im Jahr 2002 das Aufbaustudium "Bildnerisches Gestalten und Therapie" an der Akademie der Bildenden Künste München. Dieses Studium gab ihm die Tiefe und den Rückhalt, den er in der Kunst allein nicht gefunden hat. Heute arbeitet er daher auch als Kunsttherapeut, leitet offene Ateliers für Menschen mit psychischer Erkrankung. "Die Arbeit mit den Menschen macht mir sehr viel Spaß", sagt er dazu. Durch die Kunsttherapie fand er auch den Weg zurück zur eigenen Malerei. "Ich habe immer figurativ gemalt. Und durch die Kunsttherapie habe ich wieder einen Sinn in der Malerei gefunden, ich male wieder, gern und viel." Seit dem Jahr 2007 stellt Johannes Lotz regelmäßig seine Gemälde aus, zuerst in einer Galerie in Berlin, dann in Stuttgart, heute europaweit. Seine Gemälde erscheinen rätselhaft, denn die Figuren sind oft frei in eine fantastische Szenerie mit intensiven Farben gesetzt, die die Realität sprengen. Diese traumähnliche Bildersprache ist universell verständlich - und erfolgreich.

München ist die neue Heimat von Johannes Lotz geblieben, hier hat er sein Atelier, Familie und einen Sohn. "Ich war auch kurz in Berlin, aber dort war mir zu viel Trubel. Im Saarland bin ich aber auch noch oft", erklärt er. Neben privaten Freundschaften, die er hier pflegt, war er in den letzten Jahren auch regelmäßig als Künstler im Saarland präsent.

Im Jahr 2011 hatte er einen Lehrauftrag an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, außerdem zeigte er seine Gemälde im Saarländischen Künstlerhaus oder im Kunstverein Dillingen. Aktuell organisiert er zwei Ausstellungen: "Porträt, Antlitz", die im nächsten Jahr in der Saarländischen Galerie in Berlin stattfinden wird, mit saarländischen und nationalen Künstlern, sowie ein Projekt anlässlich von 100 Jahre Dada in München, mit Beiträgen aus professioneller und Outsider-Kunst - und mit Arbeiten von Johannes Lotz. "Das passt", sagt er und lächelt.